ROSMARIN ~ Rosmarin-Seife

ROSMARIN  ~  Rosmarin-Seife

Rosmarin-Seife gehört zu den Dingen, die ich besonders gerne selbst herstelle. Ich mag ihren frischen, würzigen Duft und das sanfte Peeling-Gefühl der eingearbeiteten Rosmarin-Nadeln. Meist entstehen gleich ein paar Stücke mehr – denn als kleines Mitbringsel ist meine Rosmarin-Seife bei meinen Freundinnen immer willkommen.

Wissenswertes

Als Rosmarin-Öl in die Seife kam
Seife war lange vor allem eines: ein Mittel zum Reinigen. Im 19. Jahrhundert gehörten fein parfümierte Toilettenseifen längst zur europäischen Duftkultur. Parfümeure stellten auch damals die Grundseife nicht unbedingt selbst her: Sie kauften fertige Seife, schmolzen sie erneut ein und veredelten sie mit Farben und Duftstoffen. Ätherisches Rosmarin-Öl gehörte mit zu ihrem Repertoire. Einen Einblick in die Seifenkunst gibt uns der englische Parfümeur George William Septimus Piesse. In seinem 1855 in London erschienenen Handbuch über die Kunst der Parfümerie The Art of Perfumery beschreibt er verschiedene parfümierte Seifen, in denen Rosmarin-Öl verwendet wird, darunter die White Windsor Soap.

Rosmarin- und Mandel-Öl in der Seifenherstellung
Für seine Camphor Soap verwendet er Grundseife, eine beachtliche Menge ätherisches Rosmarin-Öl und Campher. Damit der Campher im Mörser fein zerrieben werden konnte, gab Piesse zusätzlich etwas Mandel-Öl hinzu. Und Piesse wusste natürlich, dass Wärme beim Parfümieren von Seife zum Problem werden konnte. Bei stark bedufteten Seifen bevorzugte er deshalb eine Verarbeitung bei geringer Wärme, damit möglichst wenig flüchtige Duftstoffe verloren gingen. Campher und Rosmarin-Öl wurden erst am Schluss in die bereits vorbereitete Seifenmasse eingearbeitet. In meiner Rosmarin-Seife treffen ebenfalls Seife, Mandel-Öl und ätherisches Rosmarin-Öl aufeinander. Die Rezepturen sind natürlich nicht dieselben – zwischen ihnen liegen schließlich mehr als 170 Jahre – aber die Kombination der Zutaten lässt mich bei der Herstellung an eine viktorianische Parfümeriewerkstatt denken.

Mein eigenes Seifen-Rezept mit Rosmarin

Das nehme ich für 1 Anwendung
Rosmarin-Tee mit 1 TL Rosmarin-Nadeln  ~  1 Seife „Oliven-Traum“  ~  1 TL Rosmarin (Salvia rosmarinus)  ~  1 EL Mandel-Öl  ~  einige Tropfen ätherisches Rosmarin-Öl  ~  und ein kleines Lächeln, denn:  Lächle – und die Welt lächelt zurück!

So entsteht meine Anwendung
[1]  Rosmarin-Tee zubereiten, dafür 1 TL Rosmarin-Nadeln mit einer Tasse heißem Wasser aufgießen und etwa 10 min zugedeckt ziehen lassen. Beim Aufgießen gehen wasserlösliche Pflanzenstoffe und ein Teil der flüchtigen Duftstoffe in den Tee über. Den Tee während des Ziehens abdecken, damit möglichst wenig der flüchtigen Duftstoffe entweicht.  [2]  Rosmarin-Nadeln im Mörser zerkleinern.  [3]  Die Seife grob zerkleinern und im Wasserbad langsam schmelzen.  Hier entsteht die Grundlage der Seife: Durch das langsame Erwärmen wird die feste Seifenmasse weich und lässt sich anschließend mit den weiteren Zutaten verbinden.  [4]  Die gemörserten Rosmarin-Nadeln mit 3 EL Rosmarin-Tee und dem Mandel-Öl unter die flüssige Seifenmasse rühren. Zügig arbeiten, da die Masse schnell wieder fest werden kann.  [5]  Zum Schluss die Mischung noch einmal kurz erwärmen, bis sie gut formbar ist, anschließend vom Wasserbad nehmen und einige Tropfen ätherisches Rosmarin-Öl einarbeiten.  [6]  Die Seifenmasse entweder mit den Händen zu Kugeln formen oder in eine geeignete Seifenform füllen.  [7]  Die Seife vollständig auskühlen und aushärten lassen und … genieße den Moment!

Mein Tipp
Handgemachte Rosmarin-Seife überzeugt nicht nur durch ihre natürliche Optik. Die ätherischen Öle des Rosmarins verleihen der Seife ihren charakteristischen würzig-aromatischen Duft – und verbinden mein heutiges Rezept zugleich mit der historischen Verwendung von Rosmarin-Öl in parfümierten Seifen. Sie ist schnell hergestellt und damit ein persönliches Mitbringsel für Freunde, Nachbarn, Familie oder Deinen Lieblingsmenschen.  ~  Ich verwende für dieses Rezept gerne meine eigene Seife. Je nach Rezeptur lässt sich Naturseife jedoch nicht immer leicht einschmelzen oder formen. Wenn Du dekorative Seifenformen herstellen möchtest, eignet sich eine Glycerinseifenbasis oft besser. Sie wird beim Erwärmen weich und lässt sich unkompliziert in Formen gießen oder zu kleinen Seifenstücken verarbeiten.

Rosmarin für dieses Rezept
Für selbstgemachte Rosmarin-Seife verwende ich lieber getrocknete als frische Rosmarin-Nadeln. Sie enthalten deutlich weniger pflanzliches Wasser und lassen sich im Mörser fein zerkleinern. Sehr fein zerkleinert können sie der Seife zusätzlich eine leichte Struktur und einen sanften mechanischen Peeling-Effekt geben.

Hinweis: Qualität und Verträglichkeit der Zutaten beeinflussen das Ergebnis – wähle sie bewusst entsprechend Deiner persönlichen Verträglichkeit aus. Ätherisches Rosmarin-Öl nur sparsam und entsprechend den Anwendungshinweisen des Herstellers verwenden. Bei empfindlicher Haut die fertige Seife zunächst vorsichtig ausprobieren.

Wie Kräuter wirken

Was verbindet Rosmarin-Öl, Wasser und Seife miteinander?
In meiner Rosmarin-Seife treffen Zutaten aufeinander, die auf den ersten Blick gar nicht recht zusammenpassen: Wasser aus dem Rosmarin-Tee, ätherisches Rosmarin-Öl und Seife. Warum lassen sie sich trotzdem miteinander verarbeiten? Die Antwort liegt in der besonderen Chemie der Seife.
Wie Seife Fett und Wasser miteinander verbindet:  Öl und Wasser lassen sich normalerweise nur schwer miteinander verbinden. Seife besitzt jedoch eine besondere Molekülstruktur: Ihre Moleküle haben einen wasserliebenden „Kopf“ (hydrophil) und einen fettliebenden „Schwanz“ (lipophil). Kommt Seife mit Wasser in Berührung, können sich die Moleküle unter anderem zu sogenannten Mizellen anordnen. Der „Kopf“ zieht Wasser an, am „Schwanz“ haftet der „fettige“ Schmutz wie Hautfette und Schmutzpartikel. Dadurch lassen sich Fette und anhaftende Verunreinigungen von der Haut lösen und mit Wasser abspülen.
Ätherisches Rosmarin-Öl in der Seife:  Genau hier kommt der Rosmarin ins Spiel. Sein ätherisches Öl besteht aus verschiedenen flüchtigen, überwiegend fettlöslichen Verbindungen, darunter 1,8-Cineol, Campher und α-Pinen. Sie mischen sich nicht einfach mit Wasser, können aber mit den fettliebenden Bereichen der Seifenbestandteile wechselwirken. Deshalb lässt sich ätherisches Rosmarin-Öl in eine Seifenmasse einarbeiten, obwohl die fertige Seife später zusammen mit Wasser verwendet wird.
Warum Rosmarin-Seife beim Waschen duftet:  Beim Waschen treffen schließlich alle drei zusammen: Rosmarin-Öl, Seife und Wasser. Die Seife vermittelt zwischen Wasser und fettlöslichen Stoffen. Gleichzeitig werden beim Benutzen der Seife flüchtige Duftstoffe des Rosmarins freigesetzt und gelangen in die Luft, sodass wir den charakteristischen Rosmarin-Duft wahrnehmen können.
So wird die Seife zum Bindeglied zwischen Wasser und fettlöslichen Stoffen – und bringt beim Waschen den charakteristischen Duft des Rosmarins wieder zum Vorschein.

Du möchtest mehr über Rosmarin erfahren?  ~  Gerne kannst Du mich anschreiben, dann kann ich Dir sagen, wo und wann ich wieder einen Workshop gebe.

Denke daran: Ich entwickle und erprobe meine Anwendungen mit viel Liebe und Sorgfalt, damit Du sie selbst ausprobieren kannst. Trotzdem kann ich keine Garantie dafür übernehmen, dass sie bei Dir zum gleichen Ergebnis führen. Bitte gehe achtsam mit Dir selbst und den verwendeten Materialien um. Verwende außerdem nur Pflanzen und Materialien, die Du sicher bestimmen und einschätzen kannst. Probiere Neues zunächst vorsichtig aus, denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf natürliche Inhaltsstoffe. Die Inhalte dienen der Inspiration und ersetzen keine fachliche Beratung. Die Anwendung erfolgt auf eigene Verantwortung. Weitere Informationen findest Du auf meiner Homepage bei den Rezepten im Haftungsausschluss.