ROSMARIN ~ Rosmarin-Mandel-Öl

ROSMARIN  ~  Rosmarin-Mandel-Öl - Kontor-der-Lydia

Die Faszination für selbstgemachte Kräuter- und Heil-Öle ist bis heute ungebrochen. Manche von ihnen erlangen eine so große Bekanntheit, dass schon ihr Name genügt – wie beim berühmten Aceite de Aparicio. Mit dem folgenden Rezept kannst Du Dir ganz einfach Deinen eigenen Klassiker für Hausapotheke und Küche ansetzen: ein wohltuendes, duftendes und vielseitiges Rosmarin-Öl für kleine Pflegeanwendungen und feine Gerichte. 

Wissenswertes

Das Aceite de Aparicio: Vom gehüteten Geheimnis zur Volksarznei
Als der Ritter Don Quijote (in Miguel de Cervantes’ Meisterwerk) von einer Katze im Gesicht zerkratzt wird, zögert man nicht lange und lässt das Aceite de Aparicio holen, damit die schöne Altisidora seine Wunden versorgen kann. Solche Wund-Öle waren hochbegehrte Arzneimittel. Im Spanien des 16. Jahrhunderts hütete der baskische Heiler Aparicio de Zubia das Rezept für sein Wund-Öl wie ein Staatsgeheimnis – selbst große Summen konnten ihn nicht zum Reden bringen. Als Aparicio im Jahr 1566 verstarb, ging das Geheimnis jedoch nicht verloren. Seine Witwe Isabel Pérez de Peramato kannte die genaue Zusammensetzung des Öls – und sie wusste den Wert dieses Erbes zu nutzen. Sie trat in Verhandlungen mit den kastilischen Cortes, der damaligen Ständevertretung und verkaufte das Rezept für eine lebenslange Rente von jährlich 60 Dukaten. Was daraufhin geschah, machte das einstige Geheimnis zu einer öffentlichen Angelegenheit. Um das Wissen im ganzen Reich zu verbreiten, wurde beschlossen, das Rezept 2.000-mal zu drucken und im Land zu verteilen. Doch damit nicht genug: Um wirklich jeden Bürger zu erreichen, wurde das Rezept sogar lautstark auf den öffentlichen Plätzen von Madrid ausgerufen.

Die Suche nach dem wahren Aceite de Aparicio
Die Geschichte des Wund-Öls führte bald weit über die Grenzen Spaniens hinaus. Eine Warenliste aus dem Jahr 1590 zeigt, dass Aceite de Aparicio zusammen mit Süßmandel-Öl per Schiff von Sevilla nach Neuspanien, dem heutigen Mexiko, exportiert wurde. Doch mit der Offenlegung des Geheimrezepts war die Geschichte keineswegs beendet. Es kamen Zweifel auf, ob die bekannt gewordene Rezeptur tatsächlich dem ursprünglichen Geheimrezept entsprach – denn nicht alle nach dem Rezept hergestellten Öle sollen nicht dieselben Erfolge gezeigt haben wie das einstige Original. Und schon begann die Suche nach der „wahren“ Rezeptur von Neuem, da verschiedene nachgemachte und modifizierte Rezepturen – wie 1595 in Segovia oder 1794 in der Pharmacopea Hispana – mit dem ursprünglichen Geheimrezept konkurrierten. Im Laufe der Zeit wuchs die Rezeptur auf insgesamt 21 Bestandteile an – darunter Zutaten wie Regenwürmer und armenische Tonerde. Seit 1604 begegnet uns auch der Rosmarin: Der Arzt Bartolomé Hidalgo de Agüero überlieferte ein Wundöl mit Rosmarin-Blüten. Die Kräuter wurden zunächst in Wein angesetzt, anschließend mit Öl versetzt und so lange eingekocht, bis die reine Pflanzenkraft übrigblieb. So führt die Spur vom Aceite de Aparicio zu einer ganzen Familie verwandter Wund-Öle. Seinem Ruhm schadete das offenbar nicht. Der Name genügte, wie Don Quijote bewies – und „Teuer wie Aparicios Öl“ wurde sogar zur Redewendung.

Mein eigenes Mandel-Öl-Rezept mit Rosmarin

Das nehme ich für 1 Anwendung
Ein Glas  ~  5 g getrocknete Rosmarin-Nadeln (Salvia rosmarinus)  ~  50 ml Mandel-Öl  ~  und ein kleines Lächeln, denn:  Lächle – und die Welt lächelt zurück!

So entsteht meine Anwendung
[1]  Ein sauberes Glas mit kochendem Wasser ausspülen und gründlich trocknen.  [2]  Die getrockneten Rosmarin-Nadeln anmörsern, in das Glas geben und mit dem Mandel-Öl übergießen. Das Glas verschließen und drei Wochen an einem hellen, jedoch nicht sonnigen Ort ziehen lassen.  Hier entsteht die Grundlage des Auszugs: Öl nimmt vor allem fettlösliche Bestandteile der Pflanze auf. Dazu gehören unter anderem aromatische Verbindungen wie 1,8-Cineol, Kampfer und α-Pinen, die zu den Bestandteilen des ätherischen Öls der Rosmarin-Nadeln gehören.   [3]  Damit alle Rosmarin-Nadeln gleichmäßig vom Öl umgeben bleiben, das Glas morgens und abends einmal schwenken.  [4]  Nach drei Wochen das Öl durch ein feines Tuch oder Sieb abfiltern und in eine saubere, möglichst dunkle Glasflasche füllen.  [5]  Bei Bedarf etwas Rosmarin-Mandel-Öl entnehmen und … genieße den Moment!

Mein Tipp
Rosmarin-Mandel-Öl  ~  Pflege, die sich gut anfühlt
Die Kombination von Mandel-Öl und Rosmarin ist für mich unwiderstehlich: Es ist meine persönliche Basis für die Pflege – innen und außen! Gerade in den kühleren Monaten, wenn trockene Luft Haut und Haar beansprucht, bietet ein warmes Bad eine willkommene Auszeit. Ins Badewasser kommen ca. 25 ml Rosmarin-Mandel-Öl zusammen mit einem Becher Sahne. Während des Bades gibt es eine Haarkur. Dazu einen Teelöffel Rosmarin-Mandel-Öl auf der Kopfhaut und im Haar einmassieren, ca. 20 Minuten einwirken lassen und mit einem milden Haarshampoo ausspülen. Das Haar lässt sich leichter kämmen und wirkt geschmeidiger und gepflegt. Danach verwende ich Rosmarin-Mandel-Öl am liebsten als Körper- und Massageöl, es legt sich sanft auf die Haut und fühlt sich nach der Anwendung weich und geschmeidig an. Und spätestens nach der Massage fühle ich mich wie neugeboren.
Die kulinarische Seite des Rosmarin-Mandel-Öls
Auch in der Küche besitzt die Verbindung besondere Eigenschaften. Mandel-Öl enthält einen hohen Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren, zeichnet sich durch einen milden, leicht nussigen Geschmack aus und kann zugleich fettlösliche Aromastoffe des Rosmarins aufnehmen. Rosmarin-Mandel-Öl eignet sich besonders zum Verfeinern von Salaten, Ofengemüse, Kartoffelgerichten, gebratenem Gemüse oder mediterranen Speisen.

Rosmarin für dieses Rezept
Für dieses Rezept eignen sich besonders schonend getrocknete Rosmarin-Blätter. Sie sorgen das ganze Jahr über für ein ausgewogenes Aroma, lassen sich zuverlässig dosieren und eignen sich durch ihren geringen Wassergehalt besonders gut für einen Öl-Auszug.

Hinweis: Qualität und Verträglichkeit der Zutaten beeinflussen das Ergebnis – wähle sie bewusst entsprechend Deiner persönlichen Verträglichkeit aus. Verwende ausschließlich vollständig getrocknete Rosmarin-Blätter und Mandel-Öl in Lebensmittelqualität. Frische Pflanzenteile enthalten Wasser, das die Haltbarkeit des Öls beeinträchtigen kann. Achte beim Öffnen der Flasche auf Geruch und Aussehen des Öls. Wirkt das Öl ungewöhnlich oder riecht es unangenehm, sollte es nicht mehr verwendet werden.

Wie Kräuter wirken
Was geht bei der Mazeration aus dem Rosmarin in das Öl über?
Selbstgemachtes Rosmarin-Mandel-Öl: Drei Wochen Geduld, dann trennen wir die Rosmarin-Blätter vom Mandel-Öl. Das Ergebnis? Auf den ersten Blick sieht man nichts. Trotzdem hat sich seine Zusammensetzung verändert. Ein unsichtbarer Stoffaustausch hat stattgefunden.
Das Mandel-Öl als aktives Lösungsmittel:  Was wie ein reines Abwarten wirkt, ist in Wahrheit ein spannender chemischer Prozess. Der Grund heißt Mazeration. Schon der Name beschreibt, was geschieht: Mazeration leitet sich vom lateinischen macerare ab und bedeutet sinngemäß „einweichen“ oder „weich machen“. Einige Pflanzenstoffe des Rosmarins besitzen eine natürliche Affinität zu Fett. Damit bekommt das Mandel-Öl im Rezept eine Aufgabe, die man ihm auf den ersten Blick kaum ansieht: Es ist nicht nur Träger des fertigen Rosmarin-Mandel-Öls, sondern übernimmt während der dreiwöchigen Mazeration zugleich die Rolle des Lösungsmittels.
Spurensuche im Mandel-Öl ~ Der unsichtbare Stoffaustausch:  Da einige Inhaltsstoffe des Rosmarins lipophil (fettliebend) sind, gelangen sie während der langen Kontaktzeit in das Pflanzen-Öl.
~  Das ätherische Öl: Flüchtige Komponenten wie 1,8-Cineol, Kampfer und α-Pinen können vom fetten Öl aufgenommen werden und sich darin verteilen.
~  Antioxidative Pflanzenstoffe: Phenolische Diterpene wie Carnosolsäure und Carnosol gehen in das Öl über.
Phenolische Diterpene sind die unsichtbaren Wächter gegen Oxidation im Rosmarin. Anders als die flüchtigen Bestandteile des ätherischen Öls sind sie nicht für den typischen Rosmarin-Duft verantwortlich, doch sie besitzen antioxidative Eigenschaften: Sie können Reaktionen abfangen, die zur Oxidation von Fetten beitragen.
Beim Filtern trennst Du Dich also nur vom groben Pflanzengerüst – die wertvolle Essenz des Rosmarins bleibt fest im Öl verankert. Fest steht: Die Zeit hat ihre Arbeit getan!

Du möchtest mehr über Rosmarin erfahren?  ~  Gerne kannst Du mich anschreiben, dann kann ich Dir sagen, wo und wann ich wieder einen Workshop gebe.

Denke daran: Ich entwickle und erprobe meine Anwendungen mit viel Liebe und Sorgfalt, damit Du sie selbst ausprobieren kannst. Trotzdem kann ich keine Garantie dafür übernehmen, dass sie bei Dir zum gleichen Ergebnis führen. Bitte gehe achtsam mit Dir selbst und den verwendeten Materialien um. Verwende außerdem nur Pflanzen und Materialien, die Du sicher bestimmen und einschätzen kannst. Probiere Neues zunächst vorsichtig aus, denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf natürliche Inhaltsstoffe. Die Inhalte dienen der Inspiration und ersetzen keine fachliche Beratung. Die Anwendung erfolgt auf eigene Verantwortung. Weitere Informationen findest Du auf meiner Homepage bei den Rezepten im Haftungsausschluss.