Manche Zubereitungen wirken so selbstverständlich, als hätte es sie schon immer gegeben. Rosmarin-Haarwasser gehört für mich dazu. Die Grundlage ist klar und nachvollziehbar: Wasser als Träger, Rosmarin als Pflanze, Zeit als verbindendes Element. Aus wenigen Zutaten entsteht so eine Zubereitung, die sich leicht in den Alltag integrieren lässt.
Wissenswertes
Rosmarin ~ Historische Zubereitungen für Kopf und Haar
Bereits in frühen Haus- und Kräuterbüchern des 17. Jahrhunderts finden sich einfache Zubereitungen auf Rosmarin-Basis. In Werken wie The English Housewife von Gervase Markham (1615) oder dem Complete Herbal von Nicholas Culpeper (1653) wird beschrieben, wie Rosmarin in Wasser oder Wein ausgezogen oder leicht gekocht wurde. Die so entstandenen Wässer wurden unter anderem zum Waschen des „Hauptes“ verwendet. Die Herstellung war einfach: Rosmarin wurde mit Flüssigkeit übergossen, einige Zeit ziehen gelassen oder sanft erhitzt und anschließend abgeseiht. Genaue Mengenangaben finden sich selten – entscheidend war vielmehr das Verständnis für das Verhalten der Pflanze. Die Übergänge zwischen Duftwasser, Pflanzenauszug und Pflegeanwendung waren dabei fließend.
Rosmarin ~ Vom historischen Wasser zur heutigen Anwendung
Auch heute entsteht Rosmarin-Wasser auf dieselbe Weise wie vor Jahrhunderten. Die Herstellung ist nachvollziehbar, die Schritte sind einfach, die Pflanze bleibt im Mittelpunkt. Gerade in dieser Kontinuität liegt für mich der Reiz: Eine Zubereitung, die sich über Jahrhunderte hinweg kaum verändert hat und immer noch wirkt. Bei der Anwendung von Rosmarin-Haarwasser oder Rosmarin-Haaröl kommen pflanzliche Auszüge direkt mit Haar und Kopfhaut in Kontakt. In Kombination mit einer sanften Kopfhautmassage wird die Mischung gleichmäßig verteilt. Regelmäßige Pflege und eine gleichmäßige Verteilung von Feuchtigkeit und pflanzlichen Bestandteilen können dazu beitragen, dass sich das Haar leichter kämmen lässt, gepflegt wirkt und einen natürlichen Glanz zeigt. Durch eine regelmäßige Kopfmassage unterstützt Du außerdem Deine Kopfhaut, die als Grundlage für ein gleichmäßiges Erscheinungsbild der Haare wichtig ist.
Meine eigenen Haarpflege-Rezepte mit Rosmarin
Rosmarin-Haarwasser
Eine leichte Anwendung, die sich gut in die tägliche Routine integrieren lässt. Das Haarwasser kann sanft in Haare und Kopfhaut einmassiert und im Haar belassen werden. Das Haarwasser im Kühlschrank aufbewahren.
Das nehme ich für 1 Anwendung
1 EL getrockneter Rosmarin-Nadeln (Salvia rosmarinus) ~ 250 ml Wasser ~ und ein kleines Lächeln, denn: Lächle – und die Welt lächelt zurück!
So entsteht meine Anwendung
[1] Die Rosmarin-Nadeln leicht anmörsern, damit die pflanzlichen Strukturen geöffnet werden. Hier entsteht die Grundlage des Auszugs: Durch das Anmörsern werden Zellstrukturen und ölhaltige Speicherbereiche der Nadeln geöffnet. Dadurch können die enthaltenen pflanzlichen Bestandteile leichter in das Wasser übergehen. [2] Den Rosmarin in das Wasser geben und etwa 10 Minuten sanft köcheln lassen. [3] Die Mischung vom Herd nehmen und über Nacht zugedeckt ziehen lassen. [4] Am nächsten Morgen durch ein feines Sieb abseihen und in eine stilisierte Flasche füllen. [5] Bei Bedarf etwas Haarwasser sanft in Haare und Kopfhaut einmassieren und … genieße den Moment!
Hinweis: Qualität und Verträglichkeit der Zutaten beeinflussen das Ergebnis – wähle sie bewusst entsprechend Deiner persönlichen Verträglichkeit aus. Nur äußerlich anwenden. Kontakt mit Augen und empfindlichen Hautstellen vermeiden. Vor der Anwendung eine kleine Menge testen, um die individuelle Verträglichkeit zu prüfen. Das Haarwasser enthält keine Konservierungsstoffe und sollte im Kühlschrank aufbewahrt werden. Innerhalb von etwa einer Woche verbrauchen und bei Veränderungen von Geruch oder Aussehen nicht mehr verwenden.
Rosmarin-Haaröl
Eine reichhaltigere Anwendung, die bewusst und gezielt eingesetzt werden kann. Das Öl wird in Haare und Kopfhaut einmassiert und je nach Bedarf nach etwa 20 bis 30 Minuten ausgewaschen oder über Nacht im Haar belassen - hier kann ein Handtuch das Kopfkissen schützen.
Das nehme ich für 1 Anwendung
1 Handvoll getrocknete Rosmarin-Nadeln (Salvia rosmarinus) ~ 100 ml Mandel-Öl ~ ein sauberes Glasgefäß ~ und ein kleines Lächeln, denn: Lächle – und die Welt lächelt zurück!
So entsteht meine Anwendung
[1] Die Rosmarin-Nadeln leicht anmörsern, sodass die pflanzlichen Strukturen geöffnet werden. [2] Den Rosmarin in das Glasgefäß geben und vollständig mit Mandel-Öl bedecken. Hier entsteht die Grundlage: Das Öl umschließt die Pflanzenteile und dient als Träger für fettlösliche Bestandteile. Durch das Anmörsern werden Zellstrukturen geöffnet, sodass aromatische Verbindungen und andere lipophile Stoffe leichter in das Öl übergehen können. [3] Das Gefäß verschließen und an einem warmen, lichtgeschützten Ort etwa 2–3 Wochen ziehen lassen. Täglich einmal schwenken, damit die Rosmarin-Nadeln nicht oben liegen und schimmeln, sondern gleichmäßig vom Öl umgeben sind. [4] Anschließend durch ein feines Tuch oder Sieb abseihen, in eine dunkle Flasche füllen. [5] Bei Bedarf eine kleine Menge in die Haare und auf die Kopfhaut geben, sanft einarbeiten und … genieße den Moment!
Hinweis: Qualität und Verträglichkeit der Zutaten beeinflussen das Ergebnis – wähle sie bewusst entsprechend Deiner persönlichen Verträglichkeit aus. Nur äußerlich anwenden. Kontakt mit Augen und empfindlichen Hautstellen vermeiden. Vor der Anwendung eine kleine Menge testen, um die individuelle Verträglichkeit zu prüfen. Für den Ansatz sollten ausschließlich trockene Pflanzenteile verwendet werden, da Feuchtigkeit im Öl die Haltbarkeit beeinträchtigen kann. Kühl und lichtgeschützt lagern.
Wie Kräuter wirken
Rosmarin in der Haarpflege
Ob Rosmarin in Wasser oder in Öl eingelegt wird, entscheidet darüber, welche Bestandteile der Pflanze in die Zubereitung übergehen. Der Grund dafür liegt in einer einfachen Regel: Stoffe lösen sich am besten in ähnlichen Stoffen: Wasser verbindet sich vor allem mit wasserlöslichen Bestandteilen der Pflanze, Öl hingegen nimmt vor allem fettlösliche Bestandteile auf. Die Form der Zubereitung bestimmt, welche Bestandteile der Pflanze in die Anwendung übergehen.
Rosmarin und seine Bestandteile im Wasser
Wasser eignet sich besonders, um solche pflanzlichen Stoffe zu lösen, die sich gut mit Feuchtigkeit verbinden. Die Hauptbestandteile sind Rosmarin-Säure sowie bestimmte Flavonoide und Bitterstoffe. Diese Stoffe werden in der Pflanzenkunde häufig im Zusammenhang mit antioxidativen Eigenschaften beschrieben.
Rosmarin und seine Bestandteile im Öl
Öl nimmt vor allem solche Bestandteile auf, die sich besser mit Fett verbinden. Dazu gehören die ätherischen Öle Cineol, Kampfer und α-Pinen. Sie verleihen dem Rosmarin u.a. seinen würzigen, harzigen und leicht frischen Duft und gehen während der Mazeration in das Mandel-Öl über. Dadurch unterscheidet sich ein Ölauszug deutlich von einem wässrigen Rosmarin-Auszug.
Du möchtest mehr über Rosmarin erfahren? - Gerne kannst Du mich anschreiben, dann kann ich Dir sagen, wo und wann ich wieder einen Workshop gebe.
Denke daran: Bitte gehe achtsam mit dir selbst und den verwendeten Materialien um. Verwende außerdem nur Pflanzen und Materialien, die du sicher bestimmen und einschätzen kannst. Probiere Neues zunächst vorsichtig aus, denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf natürliche Inhaltsstoffe. Die Inhalte dienen der Inspiration und ersetzen keine fachliche Beratung, die Anwendung erfolgt auf eigene Verantwortung. Weitere Informationen findest Du auf meiner Website im Haftungsausschluss.