ROSMARIN ~ Natürliche Haarpflege mit Rosmarin

ROSMARIN  ~  Natürliche Haarpflege mit Rosmarin - Kontor-der-Lydia

Manche Zubereitungen wirken so selbstverständlich, als hätte es sie schon immer gegeben. Rosmarin-Haarwasser gehört für mich dazu. Die Grundlage ist klar und nachvollziehbar: Wasser als Träger, Rosmarin als Pflanze, Zeit als verbindendes Element. Aus wenigen Zutaten entsteht so eine Zubereitung, die sich leicht in den Alltag integrieren lässt.

Wissenswertes

Rosmarin-Wasser für Kopf und Haar
Rosmarin-Wasser war bereits lange vor der Neuzeit bekannt. 1615 beschreibt Gervase Markham in The English Housewife ein Rosmarin-Wasser, mit dem Gesicht und Kopf gewaschen wurden; anschließend sollte das Haar von selbst trocknen. Markham schrieb diesem Wasser sogar zu, Haarausfall entgegenzuwirken und neues Wachstum zu fördern – ein historisches Wirkversprechen, das erstaunlich modern klingt, obwohl Markham es bereits vor mehr als 400 Jahren niederschrieb. Fast 300 Jahre später führt mich eine Spur nach Frankreich – und von dort bis nach Kuba.

Rosmarin-Haarwasser und eine historische Spur nach Kuba
1891 veröffentlichte Blanche-Augustine-Angèle Soyer ihr Buch Le Cabinet de toilette. Obwohl sie nicht dem Adel entstammte, schrieb sie unter dem adlig klingenden Pseudonym Baronne Staffe und führte in Savigny-sur-Orge einen literarischen Salon. Die erfolgreiche Schriftstellerin wurde vor allem durch ein Werk über Etikette und gutes Benehmen bekannt, das zu einem Bestseller wurde und über Generationen hinweg die Vorstellungen von Anstand und gesellschaftlichen Umgangsformen in Frankreich mitprägte. In ihren vor allem für ein weibliches Publikum verfassten Ratgebern beschäftigte sie sich mit gesellschaftlichen Umgangsformen, Haushalt, Schönheit und Körperpflege. Das Besondere: Auch Schönheits- und Haarpflegepraktiken anderer Kulturen fanden darin ihren Platz. So begegnet uns bei ihr eine Rosmarin-Zubereitung aus Kuba: „Die Kreolinnen der Insel Kuba bereiten eine Abkochung aus Rosmarin-Blättern. Dieses Wasser, so behaupten sie, reinigt, kräftigt und macht das Haar geschmeidig.“
Nur kurze Zeit später wurde ihr Buch ins Englische übersetzt – von einer Frau mit einer ganz anderen Geschichte: Gertrude Elizabeth Blood (1857–1911) stammte aus einer irischen Landbesitzerfamilie, erhielt eine für ihre Zeit vergleichsweise umfassende Bildung und wurde nach ihrer Heirat mit Lord Colin Campbell als Lady Colin Campbell bekannt. Ihre Ehe und der spektakuläre Scheidungsprozess sorgten im viktorianischen Großbritannien für Aufsehen und legten den Grundstein zu ihrem Ruf, eine „New Woman“ zu sein – also eine Frau, die traditionelle viktorianische Rollenvorstellungen zunehmend infrage stellte. Obwohl die Ehe nicht geschieden wurde, lebte sie von ihrem Mann getrennt und baute sich eine eigene berufliche Existenz als Journalistin, Schriftstellerin und Kunstkritikerin auf.
So gegensätzlich die Lebenswege und Ansichten der beiden Frauen auch waren – durch Baronne Staffes Aufzeichnung und Lady Colin Campbells Übersetzung ist diese kleine Spur der historischen Rosmarin-Haarpflege bis heute erhalten geblieben.

Mein eigenes Haarpflege-Rezept mit Rosmarin

Das nehme ich für 1 Anwendung
1 EL getrocknete Rosmarin-Blätter (Salvia rosmarinus)  ~  250 ml Wasser  ~  und ein kleines Lächeln, denn:  Lächle – und die Welt lächelt zurück!

So entsteht meine Anwendung
[1]  Die Rosmarin-Blätter im Mörser leicht anstoßen. Sie sollen nicht fein zermahlen werden.  Hier entsteht die Grundlage des Auszugs: Durch das leichte Anmörsern werden die Strukturen der Rosmarin-Blätter geöffnet. So kann das Wasser leichter an die darin enthaltenen Pflanzenstoffe gelangen und einen Teil davon aufnehmen.  [2]  Die Rosmarin-Blätter mit dem Wasser in einen kleinen Topf geben und etwa 10 Minuten sanft köcheln lassen. Dabei den Topf abdecken, damit möglichst wenig der flüchtigen Duftstoffe mit dem Wasserdampf verloren geht.  [3]  Den Topf vom Herd nehmen und das Rosmarin-Haarwasser einige Stunden ziehen lassen.  [4]  Anschließend durch ein feines Sieb abseihen und in eine saubere Flasche füllen.  [5]  Für die Anwendung etwas Rosmarin-Haarwasser auf Haare und Kopfhaut geben, mit den Fingerspitzen sanft in die Kopfhaut einmassieren und anschließend im Haar verteilen. Es muss nicht ausgespült werden, darf im Haar bleiben und … genieße den Moment!

Mein Tipp
Die Menge reicht bei längerem Haar für etwa drei Tage. Bewahre das Rosmarin-Haarwasser zwischen den Anwendungen im Kühlschrank auf und entnimm jeweils nur so viel, wie Du für Haare und Kopfhaut benötigst.  ~  Bei dunklerem bis braunem Haar sind durch das Rosmarin-Haarwasser in der Regel keine sichtbaren Verfärbungen zu erwarten. Bei sehr hellblondem oder platinblondem Haar empfiehlt es sich, das Rosmarin-Haarwasser vor der ersten Anwendung an einer unauffälligen Strähne zu testen, da pflanzliche Zubereitungen bei wiederholter Anwendung leichte Farbnuancen hinterlassen können.

Rosmarin für dieses Rezept
Für dieses Haarwasser eignen sich schonend getrocknete Rosmarin-Blätter. Durch das leichte Anstoßen und anschließende Köcheln können sie ihre wasserlöslichen und einen Teil ihrer flüchtigen Pflanzenstoffe an das Wasser abgeben.

Hinweis: Qualität und Verträglichkeit der Zutaten beeinflussen das Ergebnis – wähle sie bewusst entsprechend Deiner persönlichen Verträglichkeit aus. Nur äußerlich anwenden. Kontakt mit Augen und Schleimhäuten vermeiden. Vor der ersten Anwendung eine kleine Menge testen, um die individuelle Verträglichkeit zu prüfen. Das Rosmarin-Haarwasser enthält keine Konservierungsstoffe. Bewahre es im Kühlschrank auf, verbrauche es innerhalb von etwa drei Tagen und verwende es bei Veränderungen von Geruch oder Aussehen nicht mehr.

Wie Kräuter wirken

Was geschieht mit den Inhaltsstoffen von Rosmarin, wenn wir ihn mit Wasser zubereiten?
Zu Beginn ist das Wasser klar. Doch während die Rosmarin-Blätter darin köcheln und anschließend mehrere Stunden ziehen, verändert sich seine Farbe deutlich. Was wir sehen können, ist nur ein Teil dessen, was während dieser Zubereitung geschieht.
Das Anstoßen öffnet den Weg ins Rosmarin-Blatt:  Ein getrocknetes Rosmarin-Blatt ist kein Behälter, aus dem sich seine Inhaltsstoffe einfach herausspülen lassen. Seine Zellen und Gewebe begrenzen zunächst den Kontakt zwischen dem Wasser und den Stoffen im Blattinneren. Beim leichten Anstoßen im Mörser werden diese Strukturen teilweise geöffnet. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Bruchflächen, an denen das Wasser unmittelbar mit dem Inneren des Blattes in Berührung kommen kann. Schon das Aufbrechen der trockenen Blattstruktur erleichtert dem Wasser den Zugang.
Wärme und Zeit fördern den Rosmarin-Auszug:  Im Topf beginnt der eigentliche Stoffaustausch. Wasser dringt in die Rosmarin-Blätter ein, während lösliche Bestandteile aus dem Pflanzengewebe in die umgebende Flüssigkeit übergehen. Die Wärme beschleunigt diese Vorgänge: Moleküle bewegen sich schneller, Pflanzengewebe wird durchlässiger und lösliche Stoffe können leichter herausgelöst werden. Während der mehrstündigen Ziehzeit bleiben Blätter und Wasser miteinander in Kontakt, sodass weitere lösliche Bestandteile in den Auszug gelangen können.
Wasser wählt unter den Rosmarin-Stoffen aus:  Rosmarin-Blätter enthalten zahlreiche chemisch unterschiedliche Stoffe, die sich nicht alle gleich gut in Wasser lösen. Wasser ist ein polares Lösungsmittel. Vereinfacht bedeutet das: Wassermoleküle besitzen eine ungleich verteilte elektrische Ladung und können deshalb besonders gut mit ebenfalls polaren Stoffen wechselwirken. Zu den Rosmarin-Stoffen, die sich auf diese Weise in einem wässrigen Auszug finden, gehören verschiedene phenolische Verbindungen. Eine für Rosmarin charakteristische Vertreterin ist die Rosmarinsäure. Auch bestimmte Flavonoide können in das Wasser übergehen. Die sichtbare Färbung zeigt dabei nur, dass sich das Wasser verändert hat. Sie verrät nicht, welche einzelnen Stoffe darin enthalten sind oder in welcher Menge.
Der Wasserauszug zeigt nur einen Teil des Rosmarins:  Andere Bestandteile der Rosmarin-Blätter sind weniger wasserlöslich. Besonders lipophile, also fettliebende Stoffe, werden von reinem Wasser schlechter gelöst. Auch die flüchtigen Bestandteile des ätherischen Rosmarin-Öls werden durch diese Zubereitung nicht in gleicher Weise erschlossen. Ein Teil kann während der Zubereitung freigesetzt werden, ein Teil mit dem Wasserdampf verloren gehen – deshalb bleibt der Topf beim Köcheln abgedeckt. 
Wenn Du die Rosmarin-Blätter schließlich abseihst, bleiben sie im Sieb zurück. Ein Teil ihrer wasserzugänglichen Stoffe befindet sich nun jedoch in der Flüssigkeit. Anstoßen, Wärme und Ziehzeit bestimmen damit ganz konkret, was aus den Rosmarin-Blättern in Dein Rosmarin-Haarwasser gelangt – und erklären, was bei der einfachen Zubereitung des Rosmarin-Haarwassers im Verborgenen geschieht.

Du möchtest mehr über Rosmarin erfahren?  ~  Gerne kannst Du mich anschreiben, dann kann ich Dir sagen, wo und wann ich wieder einen Workshop gebe.

Denke daran: Ich entwickle und erprobe meine Anwendungen mit viel Liebe und Sorgfalt, damit Du sie selbst ausprobieren kannst. Trotzdem kann ich keine Garantie dafür übernehmen, dass sie bei Dir zum gleichen Ergebnis führen. Bitte gehe achtsam mit Dir selbst und den verwendeten Materialien um. Verwende außerdem nur Pflanzen und Materialien, die Du sicher bestimmen und einschätzen kannst. Probiere Neues zunächst vorsichtig aus, denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf natürliche Inhaltsstoffe. Die Inhalte dienen der Inspiration und ersetzen keine fachliche Beratung. Die Anwendung erfolgt auf eigene Verantwortung. Weitere Informationen findest Du auf meiner Homepage bei den Rezepten im Haftungsausschluss.