ROSMARIN ~ Rosmarin-Wein für die Liebe

ROSMARIN  ~  Rosmarin-Wein für die Liebe

Ob Rosmarin im Haar, im Brautkranz oder als Rosmarin-Wein im Schlafgemach – an Ideen, der Liebe ein wenig nachzuhelfen, mangelte es unseren Vorfahren offenbar nicht. Probieren wir es aus und stellen unseren eigenen Rosmarin-Wein her – wer weiß, vielleicht hilft er ja?

Wissenswertes

Rosmarin für Liebe, Lust und Leidenschaft
Die schöne Hylonome liebt den Kentauren Cyllarus und möchte ihm gefallen. Sie kämmt ihr Haar und flicht Rosmarin hinein – mit Erfolg. Obwohl viele Kentaurinnen den schönen Cyllarus begehren, gewinnt Hylonome sein Herz. Das erzählt jedenfalls Ovid in seinen Metamorphosen. Schon im alten Griechenland galt Rosmarin als Sinnbild für Liebe, Lust und Fruchtbarkeit und wurde der Liebesgöttin Aphrodite geweiht. Ein Gemälde von Lucas Cranach d. Ä. aus dem Jahr 1526 zeigt Sibylle von Sachsen, die ältere Schwester Annas von Kleve, als Braut mit Rosmarin im Haar. Rosmarin wird bis heute in Brautkränze eingearbeitet. Doch nicht nur im Haar, im Brautkranz oder im Brautstrauß sollte Rosmarin der Liebe helfen, sondern auch im Wein. Pedanios Dioskurides beschreibt im 1. Jahrhundert n. Chr. in seiner De Materia Medica verschiedene mit Kräutern angesetzte Weine; sowohl dem Wein als auch dem Rosmarin schrieb er eine „erwärmende Kraft“ zu – und Wärme verband man nicht nur damals mit Lebenskraft, Sinnlichkeit und erwachendem Verlangen.

Anna von Kleve ~ Rosmarin für eine königliche Braut
Greenwich, 6. Januar 1540. Im königlichen Palast wird Hochzeit gefeiert. Anna von Kleve wird die vierte Ehefrau Heinrichs VIII. Gold, Edelsteine und kostbare Stoffe gehören zum Prunk dieses Tages – und eine Pflanze, deren symbolische Bedeutung jeder Hochzeitsgast verstanden haben dürfte: Rosmarin! Gold und Edelsteine schmücken nicht nur Annas Haupt – auch Rosmarin. Für eine Braut war er ein bedeutungsvolles Zeichen, erzählte die immergrüne Pflanze doch von Liebe, Erinnerung und Treue. Und weiter führt uns der Tudor-Chronist Edward Hall durch dieses Hochzeitszeremoniell: Vor Anna gingen junge Edelmänner mit Gefäßen aus vergoldetem Silber, gefüllt mit Rosmarin-Zweigen, die zuvor in Rosen-Wasser getaucht worden waren. Ich kann mir den Duft beinahe vorstellen: das schwere Rosen-Wasser und dazwischen das kräftige, harzige Aroma des Rosmarins. Und abends im Schlafgemach wurde Rosmarin-Wein kredenzt.

Mein eigenes Wein-Rezept mit ROSMARIN
Rosmarin-Wein für die Liebe

Das nehme ich für 1 Anwendung
Eine Flasche  ~  5 g Rosmarin-Nadeln (Salvia rosmarinus)  ~  250 ml Weißwein ~  und ein kleines Lächeln, denn:  Lächle – und die Welt lächelt zurück!

So entsteht meine Anwendung
[1]  Die Rosmarin-Nadeln leicht anmörsern, um die pflanzlichen Strukturen etwas zu öffnen.  Hier entsteht die Grundlage des Auszugs: Durch das leichte Anstoßen werden pflanzliche Strukturen geöffnet und die Oberfläche der Rosmarin-Nadeln vergrößert. So kann der Wein leichter mit den darin enthaltenen Pflanzenstoffen in Kontakt kommen.  [2] Die Nadeln in eine saubere Flasche geben, mit Weißwein aufgießen und gut verschließen. Die Mischung etwa zwei Wochen an einem hellen, jedoch nicht sonnigen Ort stehen lassen. Einmal täglich leicht schütteln.  [3]  Anschließend den Rosmarin-Wein durch ein Mulltuch oder ein sehr feines Sieb in eine saubere Flasche abfiltern und … genieße den Moment!

Rosmarin für dieses Rezept
Für diesen Rosmarin-Wein eignen sich besonders schonend getrocknete Rosmarin-Nadeln. Sie sorgen das ganze Jahr über für ein ausgewogenes Aroma und lassen sich zuverlässig dosieren.

Hinweis: Qualität und Verträglichkeit der Zutaten beeinflussen das Ergebnis – wähle sie bewusst entsprechend Deiner persönlichen Verträglichkeit aus. Bewahre den fertigen Rosmarin-Wein gut verschlossen und kühl auf. Da es sich um ein alkoholisches Getränk handelt, genieße ihn nur in kleinen Mengen.

Wie Kräuter wirken

Warum entscheidet der Wein mit, was der Rosmarin an ihn abgibt?
Ein getrocknetes Rosmarin-Blatt gibt dem Wein nicht einfach alles mit, was in ihm steckt. Um zu verstehen, welche Inhaltsstoffe in den Wein übergehen können, lohnt sich zunächst ein Blick in das Innere des Blattes.
Inhaltsstoffe im Rosmarin-Blatt:  Sie sitzen an unterschiedlichen Stellen im Blatt und sind dort in verschiedene pflanzliche Strukturen eingebunden. Durch Trocknen und Zerkleinern werden zwar einige dieser Strukturen bereits verändert oder geöffnet. Doch was der Wein dort vorfindet, ist chemisch unterschiedlich. Rosmarin bildet nicht einen einzigen „Aromastoff“, sondern eine ganze Mischung unterschiedlicher Pflanzenstoffe. In den Drüsenhaaren des Rosmarins wird beispielsweise ätherisches Öl gebildet und gespeichert. Zu seinen flüchtigen Bestandteilen gehören 1,8-Cineol, Campher und α-Pinen. In den Blattzellen befinden sich dagegen andere Pflanzenstoffe, darunter Rosmarin-Säure und weitere phenolische Verbindungen. Ihr chemischer Aufbau unterscheidet sich deutlich von dem vieler Bestandteile des ätherischen Öls. Rosmarin-Säure besitzt beispielsweise mehrere Gruppen, die Wechselwirkungen mit Wasser ermöglichen. Andere phenolische Inhaltsstoffe des Rosmarins verhalten sich wiederum weniger wasserfreundlich. Schon innerhalb einer einzigen Stoffgruppe gibt es also Unterschiede darin, wie gut die einzelnen Verbindungen in eine Flüssigkeit übergehen.
Wein als besonderes Lösungsmittel:  Und genau hier wird der Wein interessant – er besteht überwiegend aus Wasser, enthält aber zugleich Alkohol. Gemeinsam bilden beide ein Lösungsmittelgemisch, das andere Eigenschaften besitzt als reines Wasser. Dadurch kann Wein unterschiedliche Rosmarin-Inhaltsstoffe aufnehmen: stärker wasserliebende Verbindungen ebenso wie Stoffe, die in reinem Wasser nur begrenzt löslich sind. Wie gut ein Pflanzenstoff in den Wein übergeht, hängt von seinem chemischen Aufbau ab. Manche Verbindungen lösen sich leichter in einer wasserreichen Umgebung, andere profitieren stärker vom Alkohol. Auch die Zusammensetzung des Weines – besonders das Verhältnis von Wasser und Alkohol – beeinflusst, welche Inhaltsstoffe aus den Rosmarin-Blättern in den Wein übergehen.
Was am Ende in im Rosmarin-Wein landet, bestimmt also nicht allein die Pflanze, sondern auch der Wein.

Du möchtest mehr über Rosmarin erfahren?  ~  Gerne kannst Du mich anschreiben, dann kann ich Dir sagen, wo und wann ich wieder einen Workshop gebe.

Denke daran: Ich entwickle und erprobe meine Anwendungen mit viel Liebe und Sorgfalt, damit Du sie selbst ausprobieren kannst. Trotzdem kann ich keine Garantie dafür übernehmen, dass sie bei Dir zum gleichen Ergebnis führen. Bitte gehe achtsam mit Dir selbst und den verwendeten Materialien um. Verwende außerdem nur Pflanzen und Materialien, die Du sicher bestimmen und einschätzen kannst. Probiere Neues zunächst vorsichtig aus, denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf natürliche Inhaltsstoffe. Die Inhalte dienen der Inspiration und ersetzen keine fachliche Beratung. Die Anwendung erfolgt auf eigene Verantwortung. Weitere Informationen findest Du auf meiner Homepage bei den Rezepten im Haftungsausschluss.