An heißen Tagen, wenn ich unterwegs bin und die Luft steht, brauche ich eine kleine Erfrischung. Dann hilft ein kühlendes Pfefferminz-Spray – ein paar Sprühstöße auf Arme, Beine oder den Nacken und schon fühlt sich der Moment etwas frischer an. Ich fülle mein Spray gerne in eine kleine Parfümzerstäuber-Flasche – so passt es in jede Handtasche und begleitet mich durch den Tag.
Wissenswertes
Klassische Flakons für die Reise
Mit der „Grand Tour“ und den verbesserten Postkutschenverbindungen wurde Reisen im 18. und 19. Jahrhundert zunehmend populär – bequem war es deshalb noch lange nicht. Auf langen, staubigen Fahrten konnte ein wenig duftende Erfrischung für Gesicht, Hände oder Nacken durchaus willkommen sein. Auch die Form klassischer Reiseflakons erzählt von dieser Zeit: Viele waren flach oder rechteckig, ließen sich gut im Gepäck verstauen und rollten auf einer Waschkommode nicht davon. Schwieriger wurde es, wenn aus dem Flakon ein Zerstäuber werden sollte. Viele frühe Modelle arbeiteten mit einem Gummiballon: Ein Druck darauf presste Luft durch den Mechanismus und versprühte das Parfüm als feinen Nebel. Auf dem Toilettentisch elegant – im Reisekoffer weniger praktisch. Gummi konnte austrocknen, spröde werden oder reißen, und vor auslaufendem Inhalt schützte die Konstruktion ebenfalls nicht.
Der Zerstäuber wird reisetauglich
1882 gründete Léopold Franck in Paris eine Manufaktur für Parfümzerstäuber und begann, die damals noch vielfach handgefertigten Zerstäuber industriell herzustellen. Sein Sohn Marcel Franck übernahm das Unternehmen 1907 und beschäftigte sich bald mit einer ganz praktischen Frage: Wie lässt sich ein empfindlicher Parfümzerstäuber so konstruieren, dass man ihn bequem auf Reisen mitnehmen kann? 1912 entwickelte er einen eigens für die Reise bestimmten Zerstäuber. Statt eines großen Accessoires mit empfindlichem Gummiballon für den Toilettentisch entstand ein kompakter Reisezerstäuber ohne Gummiballon, dafür mit Kolbensystem und einer Sicherung für den Transport. Eine kleine technische Veränderung machte damit aus einem eleganten, aber empfindlichen Toilettenartikel einen echten Reisebegleiter. Genau diese Idee gefällt mir bis heute: ein kleines Erfrischungswasser griffbereit zu haben, wenn unterwegs eine kleine Abkühlung willkommen ist. Mit meinem kühlenden Pfefferminz-Spray greife ich sie auf meine Weise wieder auf – als selbst gemachtes Kräuter-Wasser für heiße Sommertage.
Mein eigenes kühlendes Spray-Rezept mit Pfefferminze
Das nehme ich für 1 Anwendung
100 ml Wasser ~ 1 EL getrocknete Pfefferminze (Mentha × piperita) ~ 1 EL Alkohol (z. B. Wodka, ca. 40 % Vol.) ~ 1 Prise Salz ~ 1 kleine Sprühflasche ~ und ein kleines Lächeln, denn: Lächle – und die Welt lächelt zurück!
So entsteht meine Anwendung
[1] Das Wasser zum Kochen bringen und die getrocknete Pfefferminze damit übergießen. Sofort abdecken, damit möglichst viele der flüchtigen ätherischen Öle erhalten bleiben. Hier entsteht die Grundlage der Erfrischung: Beim Aufgießen gehen wasserlösliche Pflanzenstoffe sowie geringe Mengen flüchtiger Bestandteile des ätherischen Öls in den Aufguss über. Der typische Duft entsteht vor allem durch das Zusammenspiel von Menthol, Menthon und weiteren flüchtigen Aromastoffen. Deshalb riechen frisch zerriebene Minz-Blätter meist deutlich intensiver als ein Pfefferminz-Aufguss. Das enthaltene Menthol erzeugt später auf der Haut den typischen Frischeeindruck. [2] Den Aufguss etwa 15 bis 20 Minuten ziehen lassen. [3] Die Flüssigkeit durch ein feines Sieb oder einen Kaffeefilter abseihen und vollständig abkühlen lassen. [4] Den Alkohol und die Prise Salz einrühren, bis sich Salz und Alkohol gleichmäßig verteilt haben. [5] Die fertige Mischung in eine saubere Sprühflasche füllen. [6] Vor jedem Gebrauch kurz schütteln, da sich Bestandteile wieder absetzen können. Bei Bedarf auf Nacken, Arme oder Dekolleté sprühen. Gesicht und insbesondere Augen und Schleimhäute aussparen und … genieße den Moment!
So kannst Du meine Anwendung abwandeln
Wenn Du den Minz-Duft intensivieren möchtest, kannst Du eine kleine Menge naturreines ätherisches Pfefferminz-Öl ergänzen. Ich selbst verwende für 100 ml Spray etwa 8–10 Tropfen. Orientiere Dich bei der Dosierung jedoch immer auch an den Anwendungshinweisen des verwendeten Öls und beginne im Zweifel lieber mit wenigen Tropfen. ~ Der Alkohol im Rezept unterstützt die Haltbarkeit des Kräuter-Wassers und hilft zugleich dabei, zugesetztes ätherisches Pfefferminz-Öl zunächst feiner in der Flüssigkeit zu verteilen. Ohne Alkohol (oder einen speziellen Emulgator) würden sie als feine Tröpfchen auf der Oberfläche schwimmen und sich nicht dauerhaft mit dem Kräuter-Wasser verbinden. ~ Da die geringe Alkoholmenge jedoch weder eine zuverlässige Konservierung noch eine dauerhafte Verbindung von Wasser und ätherischem Öl gewährleistet, bewahre ich das Spray im Kühlschrank auf, verbrauche es innerhalb weniger Tage und schüttle es vor jeder Anwendung.
Mein Tipp
Schau Dich doch einmal auf Trödelmärkten nach alten Parfümzerstäubern oder ihren modernen Varianten um. Du wirst überrascht sein, welch schöne Exemplare sich dort entdecken lassen. ~ Befüllst Du einen solchen Zerstäuber mit Deinem selbst hergestellten Pfefferminz-Spray und bewahrst ihn an heißen Sommertagen einige Stunden im Kühlschrank auf, hast Du Deinen ganz persönlichen Reiseflakon, der Dich unterwegs jederzeit mit einer angenehm kühlenden Erfrischung begleitet – ganz im Sinne der historischen Duft- und Kräuterwässer vergangener Zeiten.
Pfefferminze für dieses Rezept
Für dieses erfrischende Spray eignen sich besonders gut schonend getrocknete Pfefferminz-Blätter. Sie sorgen das ganze Jahr über für ein ausgewogenes Aroma und lassen sich zuverlässig dosieren.
Hinweis: Qualität und Verträglichkeit der Zutaten beeinflussen das Ergebnis – wähle sie bewusst entsprechend Deiner persönlichen Verträglichkeit aus. Sprühe das Pfefferminz-Spray nicht in die Augen oder auf Schleimhäute und verwende es nicht auf gereizter oder verletzter Haut. Da der wasserhaltige Kräuter-Aufguss nicht zuverlässig konserviert ist, bewahre das Spray im Kühlschrank auf und verbrauche es innerhalb weniger Tage. Verändert sich Geruch, Farbe oder Aussehen, entsorge es.
Wie Kräuter wirken
Warum eignet sich Pfefferminze besonders gut für ein kühlendes Erfrischungsspray?
Mein Rezept verwendet bewusst einen einfachen Pfefferminz-Aufguss. Er lässt sich mit wenigen Zutaten selbst herstellen und vermittelt den typischen Frischeeffekt der Pfefferminze. Doch was macht gerade diese Pflanze dafür so interessant?
Die Kraft des heißen Wassers: Die Blätter der Pfefferminze enthalten zahlreiche Drüsenhaare, in denen die Pflanze ihre ätherischen Öle speichert. Beim Aufgießen mit heißem Wasser lösen sich wasserlösliche Pflanzenstoffe sowie ein Teil der flüchtigen Duft- und Aromastoffe. Deshalb sollte der Aufguss stets abgedeckt ziehen, damit möglichst viele dieser Stoffe erhalten bleiben. Während der Aufguss abkühlt, gehen die gelösten Pflanzenstoffe in das Kräuterwasser über. Beim späteren Aufsprühen kann das enthaltene Menthol die Kälterezeptoren der Haut aktivieren und ein angenehm kühlendes Gefühl vermitteln. Gleichzeitig verstärkt der feine Sprühnebel durch seine Verdunstung den Frischeeindruck.
Was ein Hydrolat von einem Aufguss unterscheidet: In der Naturkosmetik werden für Gesichts- und Körpersprays häufig Pfefferminz-Hydrolate verwendet. Sie entstehen bei der Wasserdampfdestillation der Pflanze. Dabei wird Wasserdampf durch das Pflanzenmaterial geleitet, löst flüchtige Aromastoffe und ätherische Öle und kondensiert anschließend wieder. Das dabei entstehende Hydrolat enthält geringe Mengen jener flüchtigen aromatischen Pflanzenstoffe, die während der Destillation mit dem Wasserdampf übergehen. Dadurch wirkt es deutlich milder als reines ätherisches Pfefferminz-Öl und eignet sich besonders gut für leichte Gesichtspflege und erfrischende Körpersprays.
Auch wenn ein echtes Hydrolat durch seine Herstellung eine andere Zusammensetzung besitzt – für mein Erfrischungsspray reicht schon ein einfacher Pfefferminz-Aufguss, um die besonderen Eigenschaften der Pflanze auf ganz unkomplizierte Weise zu nutzen.
Du möchtest mehr über Pfefferminze erfahren? - Gerne kannst Du mich anschreiben, dann kann ich Dir sagen, wo und wann ich wieder einen Workshop gebe.
Denke daran: Ich entwickle und erprobe meine Anwendungen mit viel Liebe und Sorgfalt, damit Du sie selbst ausprobieren kannst. Trotzdem kann ich keine Garantie dafür übernehmen, dass sie bei Dir zum gleichen Ergebnis führen. Bitte gehe achtsam mit Dir selbst und den verwendeten Materialien um. Verwende außerdem nur Pflanzen und Materialien, die Du sicher bestimmen und einschätzen kannst. Probiere Neues zunächst vorsichtig aus, denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf natürliche Inhaltsstoffe. Die Inhalte dienen der Inspiration und ersetzen keine fachliche Beratung. Die Anwendung erfolgt auf eigene Verantwortung. Weitere Informationen findest Du auf meiner Homepage bei den Rezepten im Haftungsausschluss.