PFEFFERMINZE ~ Holunder-Minz-Hugo

PFEFFERMINZE  ~  Holunder-Minz-Hugo

Der Sommer ist da, die Tage werden länger und draußen wird es immer wärmer. Du hast noch etwas Pfefferminze, Holunderblüten-Sirup und eine Flasche Prosecco im Haus? Dann ist jetzt der richtige Moment für einen Hugo – leicht, spritzig und perfekt, um entspannt in den Feierabend zu starten. 

Kulinarik

Die Geschichte des Hugo
Den Ursprung kennen vor allem Menschen aus Südtirol oder solche, die sich mit der Entstehungsgeschichte des Getränks beschäftigen. Im Sommer 2003 veröffentlichte der Journalist und Kochbuchautor Hans Gerlach das Rezept der „Holdirinha“ – eines Cocktails aus Holunderblüten-Sirup, Minze und Limette. Seine Rezeptidee orientierte sich an der brasilianischen Caipirinha mit zerstoßenem Eis und ohne Sodawasser, setzte sich aber nicht durch. 
Als Erfinder des heute bekannten Hugo gilt der Barkeeper Roland Gruber aus dem Südtiroler Ort Naturns, obwohl er einen Cocktail mit Melissen-Sirup entwickelte. Denn auf der Suche nach einer Alternative zum damals allgegenwärtigen Aperol Spritz kombinierte er Prosecco, Zitronenmelissen-Sirup, Mineralwasser und frische Minze zu einem Aperitif und nannte seine Kreation „Otto“. Freunde und Gäste konnten sich mit diesem Namen jedoch nicht anfreunden und überzeugten ihn schließlich, den neuen Aperitif „Hugo“ zu nennen. Mit der wachsenden Beliebtheit des Hugo verbreitete sich das Getränk seit 2006 weit über Südtirol hinaus. Außerhalb der Alpenregion war Zitronenmelissen-Sirup jedoch nur schwer erhältlich.

Wie der Holunder zum Hugo kam
Zur gleichen Zeit entwickelte der amerikanische Destillateur Rob Cooper, Angehöriger einer Destillateursfamilie in dritter Generation, einen Holunderblüten-Likör. Bis in die 2000er-Jahre spielte Holunderblüten-Likör international kaum eine Rolle. Zwar gab es in Mitteleuropa seit langem Sirupe und regionale Liköre aus Holunderblüten, doch sie waren außerhalb ihrer Herkunftsländer wenig verbreitet. Rob Cooper erkannte dieses Potenzial und entwickelte einen hochwertigen Holunderblüten-Likör nach französischem Vorbild. Für die Entwicklung ließ er sich von renommierten Mixologen und Herstellern traditioneller französischer Liköre beraten. 2007 brachte er St-Germain auf den Markt und positionierte ihn als Premiumlikör für die gehobene Barkultur. Die außergewöhnlichen Flaschen in einer achteckigen Form werden nur in begrenzter Menge hergestellt, sind nummeriert und weisen das Abfülldatum auf. Der Name wurde inspiriert von Saint-Germain-des-Prés, ein traditionsreiches Pariser Viertel, das seit Jahrzehnten für Kunst, Literatur, Jazzcafés und französische Lebensart steht. Der Likör sollte genau dieses elegante, französische Lebensgefühl vermitteln. St-Germain entwickelte sich rasch zu einer gefragten Zutat der internationalen Barkultur. 
Viele Barkeeper kombinierten nun den hippen Cocktail mit dem angesagten Likör und bereiteten den Hugo nicht mehr mit Zitronenmelissen-Sirup zu, was den Cocktail zudem trockener und komplexer im Geschmack machte. Spätestens um 2010 galt der Holunderblüten-Sirup im deutschsprachigen Raum als DIE klassische Zutat des Hugo. Mit seinen frischen Minz-Blättern als unverwechselbarem Erkennungszeichen trat der Hugo endgültig seinen Siegeszug an. Zunächst begeisterte er die Menschen in Italien, wenig später eroberte er weite Teile Europas und schließlich die internationale Barszene. Kochbücher, Zeitschriften und Getränkekarten übernahmen die neue Rezeptur, während die ursprüngliche Melissen-Variante zunehmend in Vergessenheit geriet. Aber egal, ob Du Deinen Hugo mit Zitronenmelissen-Sirup oder Holunderblüten-Sirup zubereitest – eines ist bis heute geblieben: die frischen Minz-Blätter. Sie verleihen dem Getränk seinen unverwechselbaren Duft und machen den Hugo zu dem sommerlichen Aperitif, den wir heute kennen.

Mein eigenes Getränke-Rezept mit Pfefferminze
Holunder-Minz-Hugo

Das nehme ich für 1 Portion
Ein gekühltes Weißwein-Glas  ~  Eiswürfel  ~  2 cl Holunder-Sirup  ~  15 cl Prosecco  ~  ein Schuss Mineralwasser  ~  2-3 Zweige Pfefferminze (Mentha × piperita)  ~  1 Zitronen-Scheibe  ~  und ein kleines Lächeln, denn:  Lächle – und die Welt lächelt zurück!

So entsteht mein Getränk
[1]  Den Holunder-Sirup und ein paar Eiswürfel in ein gut gekühltes Weinglas geben.  [2]  Den Prosecco langsam über einen Barlöffel eingießen, damit möglichst wenig Kohlensäure verloren geht.  [3]  Die Minz-Zweige vor dem Zugeben leicht andrücken, aber nicht zerquetschen. Dadurch werden die ätherischen Öle freigesetzt, ohne dass zu viele Bitterstoffe aus den Blättern in das Getränk gelangen.  Hier entsteht der Charakter des Getränks: Beim leichten Andrücken werden die Öldrüsen der Minz-Blätter teilweise geöffnet. Die freiwerdenden ätherischen Öle prägen sofort den Duft des Hugo und lösen sich nach und nach auch im Getränk. Die feine Säure des Proseccos und die Kohlensäure des Mineralwassers lassen die Aromen leichter und lebendiger wirken.  [4]  Das Mineralwasser hinzufügen, damit die Kohlensäure erhalten bleibt.  [5]  Mit einer Zitronen-Scheibe garnieren, gut gekühlt servieren und … Guten Appetit!

Pfefferminze für dieses Rezept
Obwohl ich normalerweise getrocknete Pfefferminze bevorzuge, da man sie genauer dosieren kann, ist frische Minze für einen Cocktail die bessere Wahl.

Hinweis: Qualität und Verträglichkeit der Zutaten beeinflussen das Ergebnis – wähle sie bewusst entsprechend Deiner persönlichen Verträglichkeit aus. Dieses Rezept enthält Alkohol. Genieße ihn bewusst und verantwortungsvoll.

Wie Kräuter wirken

Warum Pfefferminze in Getränken so beliebt ist
Pfefferminze gehört zu den beliebtesten Kräutern für Getränke und Cocktails, da sie mehrere Sinne gleichzeitig anspricht. Schon beim Anheben des Glases steigt Dir der frische Duft der Pfefferminze entgegen. Überraschenderweise wirkt das Aroma oft intensiver, als wenn Du einen Schluck trinkst. Der Grund liegt in der Art, wie wir Gerüche wahrnehmen.
Flüchtige Duftstoffe für den ersten Frischeeindruck: Pfefferminze bildet in kleinen Öldrüsen ihrer Blätter ätherisches Öl. Dessen wichtigste Bestandteile – darunter Menthol und Menthon – gehören zu den flüchtigen Aromastoffen. Sie verdunsten bereits bei Raumtemperatur und gelangen mit der Luft zur Nase. Deshalb nimmst Du den typischen Minz-Duft schon wahr, bevor das Getränk Deine Zunge erreicht.
Kohlensäure als Duftverstärker: Auch die Kohlensäure von Mineralwasser und Prosecco unterstützt im Hugo die Wahrnehmung der flüchtigen Duftstoffe. Beim Aufsteigen der feinen Bläschen werden winzige Mengen der flüchtigen Duftstoffe aus der Flüssigkeit mitgerissen und über dem Glas verteilt. So entsteht eine aromatische Duftwolke, die den frischen Eindruck noch verstärkt. Deshalb lohnt es sich auch, die Minz-Blätter erst kurz vor dem Servieren leicht anzudrücken: Dabei öffnen sich einige der Öldrüsen, sodass mehr ätherisches Öl freigesetzt wird, ohne dass die Blätter zu viele Bitterstoffe abgeben.
Das Zusammenspiel von Geruch und Geschmack: Erst beim Trinken verbinden sich Duft, Geschmack und das kühlende Gefühl des Menthols zu dem typischen Pfefferminz-Erlebnis. Ein großer Teil dessen, was wir als Geschmack empfinden, entsteht dabei tatsächlich über den Geruchssinn. 
Darum riechen Cocktails mit Pfefferminze oft sogar intensiver, als sie schmecken – und genau dieses Zusammenspiel macht den frischen Charakter aus. Kein Wunder also, dass Pfefferminze bis heute zu den beliebtesten Kräutern für Limonaden, Cocktails und sommerliche Aperitifs wie den Hugo oder Mojito gehört.

Du möchtest mehr über Pfefferminze erfahren? - Gerne kannst Du mich anschreiben, dann kann ich Dir sagen, wo und wann ich wieder einen Workshop gebe. 

Dazu eine Prosecco-Empfehlung von:
Weinzeche / Essen  ~  www.weinzeche.de

Der Prosecco „52“ Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG
vom Weingut Santa Margherita der Herita S.P.A. Venetien / Italien

Ein guter Hugo lebt von wenigen Zutaten – und von einem frischen, feinperligen Prosecco. Er verbindet die blumigen Noten des Holunders mit der Frische der Pfefferminze und bildet das Herzstück dieses sommerlichen Aperitifs. Für meinen Hugo habe ich einen Prosecco gewählt, dessen Heimat zu den berühmtesten Schaumweinlandschaften Italiens gehört. Aus den sanften Hügeln von Valdobbiadene stammt der „52“ Valdobbiadene Prosecco Superiore von Santa Margherita. Die Zahl erinnert an das Jahr 1952, als die Familie Marzotto erstmals erfolgreich Schaumwein aus der traditionellen Glera-Traube nach der Martinotti-Methode erzeugte. Heute werden ausgewählte Weinberge von Santa Margherita nach biologischen Anbaurichtlinien bewirtschaftet - in einer Region, in der dies noch immer keine Selbstverständlichkeit ist. Auch der Prosecco wird ausschließlich aus Glera gekeltert und trägt mit dem DOCG-Siegel die höchste Qualitätsstufe seiner Herkunftsregion. Mit seiner feinen Perlage, den hellen Fruchtaromen und seiner lebendigen Frische begleitet er den Hugo auf ganz natürliche Weise. Die floralen Noten des Holunders, die ätherischen Öle der Pfefferminze und die feine Säure des Proseccos ergänzen sich harmonisch. Für mich schmeckt dieses Zusammenspiel nach einem warmen Sommerabend – leicht, frisch und typisch mediterran.

Denke daran: Ich erstelle und teste meine Rezepte mit viel Liebe und Sorgfalt, damit Du sie nachkochen kannst. Aber ich kann keine Garantie dafür übernehmen, dass sie Dir genauso gelingen. Jede Küche ist anders, deshalb sind alle Angaben nur Richtwerte und Du kochst auf eigene Verantwortung. Bitte achte selbst auf Allergien und Unverträglichkeiten sowie auf einen hygienischen Umgang mit Lebensmitteln – vor allem bei Fleisch, Fisch und Eiern. Und: Dies ist keine Ernährungs- oder Gesundheitsberatung. Weitere Informationen findest Du auf meiner Homepage bei den Rezepten im Haftungsausschluss.