ROSMARIN ~ Erdbeer-Rosmarin-Balsam

ROSMARIN  ~  Erdbeer-Rosmarin-Balsam

Die Frucht der Venus und das Kraut der Aphrodite: Ein alter Brauch besagt, dass Erdbeeren – einige Zeit vor einem lustvollen Beisammensein genossen – die Liebe fördern sollen. Gilt die Erdbeere doch als Symbol für Liebe und Sinnlichkeit, Rosmarin steht für Liebe und Treue. Was liegt näher, als beide zu vereinen – und zu genießen?

Kulinarik

Die Frucht der Venus ~ Erdbeeren als Symbol der Liebe
Rot, süß und herzförmig – kaum eine andere Frucht scheint sich so selbstverständlich als Symbol der Liebe anzubieten wie die Erdbeere. Schon die Römer brachten sie mit der Liebesgöttin Venus in Verbindung. Zunächst klein, hart und grün, wird die Erdbeere mit zunehmender Reife weich, süß und feuerrot. Dieser Wandel galt als Sinnbild für Geschlechtsreife und Liebesbereitschaft. Die christliche Bildsprache gab der sinnlichen Erdbeere eine deutlich tugendhaftere Bedeutung: Nun stand sie für Demut, Rechtschaffenheit und das Paradies. Besonders schön zeigt sich diese Symbolik im Paradiesgärtlein, dem Gemälde eines unbekannten Oberrheinischen Meisters, das um 1410 entstand und heute im Städel Museum in Frankfurt zu sehen ist: Zu Füßen Marias wachsen kleine Walderdbeeren. Ganz verloren ging der Bezug zu Liebe und Hochzeit jedoch nicht: Die Erdbeere gehört zu den Attributen der heiligen Dorothea, die unter anderem als Patronin der Neuvermählten verehrt wird.

Erdbeeren ~ Liebe, Literatur und Verführung
Erdbeeren gemeinsam zu naschen gehört zum Spiel der Verführung und begegnet uns auch in der Literatur. Im 13. Jahrhundert besingt der Minnesänger Der Wilde Alexander die Frucht in seinem Erdbeerlied. Eine der bekanntesten erotisch-literarischen Erdbeerszenen stammt aus dem Roman Tess of the d'Urbervilles von Thomas Hardy aus dem Jahr 1891. Darin füttert Alec d’Urberville die junge Tess mit Erdbeeren – bis heute ein Sinnbild für Verführung und erotische Spannung. Paul Zech griff das Motiv in seiner Ballade „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“ ebenfalls auf, die später durch die Rezitationen von Klaus Kinski große Bekanntheit erlangte. Damit auch unser Mund die Frucht der Venus und das Kraut der Aphrodite genießen kann, findest Du hier mein Rezept für einen Erdbeer-Rosmarin-Balsam. Ein wenig süß, ein wenig verführerisch und genau richtig, um ihn nicht allein zu genießen …

Mein eigenes Erdbeer-Essig-Rezept mit Rosmarin
Erdbeer-Rosmarin-Balsam

Das nehme ich für 1 Portion
100 ml weißer Balsamico  ~  100 g Erdbeeren, gefroren  ~  50 g Zucker, weiß  ~  1 TL Rosmarin-Nadeln (Salvia rosmarinus)  ~  1 EL Rosmarin-Honig  ~  eine saubere, sterilisierte Flasche  ~  und ein kleines Lächeln, denn:  Lächle – und die Welt lächelt zurück!

So entsteht mein Gericht
[1]  Die gefrorenen Erdbeeren in einen Topf geben.  [2]  Mit dem Balsamico übergießen.  [3]  Den Rosmarin kurz anmörsern, hinzufügen und die Erdbeeren auftauen lassen.  [4]  Die Erdbeeren mit einem Stampfer grob zerdrücken. Hier entsteht die Grundlage des Aromas: Beim Gefrieren bilden sich Eiskristalle, die pflanzliche Zellstrukturen der Erdbeeren verändern und teilweise öffnen. Beim Auftauen kann deshalb leichter Zellsaft austreten. Durch das anschließende Zerdrücken werden weitere Strukturen geöffnet und Fruchtsaft, Zucker und Aromastoffe freigesetzt. So können sie sich in der Flüssigkeit verteilen und gemeinsam mit den Inhaltsstoffen des Rosmarins die Grundlage für die spätere Frucht- und Kräuternote bilden.  [5]  Den Zucker unterrühren.  [6]  Die Mischung aufkochen und bei kleiner Hitze 10 Minuten köcheln lassen, dabei regelmäßig umrühren. Den Topf nicht mit einem Deckel schließen. Dabei gut lüften, da die aufsteigenden Essigdämpfe Augen und Atemwege reizen können.  [7]  Den Balsam kurz abkühlen lassen und den Rosmarin-Honig einrühren, damit er seine wertvollen Inhaltsstoffe durch zu große Hitze nicht verliert.  [8]  Die Mischung durch ein Sieb abseihen. Wenn Du einen klareren Balsam bevorzugst, anschließend noch zweimal durch ein feineres Sieb oder Filtertuch geben.  [9]  Den Erdbeer-Rosmarin-Balsam in die sterilisierte Flasche füllen, vollständig abkühlen lassen und … Guten Appetit!

Mein Tipp
Der Erdbeer-Rosmarin-Balsam lässt sich vielseitig verwenden. Du kannst ihn über Vanille-Eis oder frische Erdbeeren träufeln, Salate damit verfeinern oder ein paar Tropfen in Mineralwasser, Sekt oder einen sommerlichen Cocktail geben.

Rosmarin für dieses Rezept
Für diesen Erdbeer-Rosmarin-Balsam eignet sich besonders schonend getrockneter Rosmarin. Er lässt sich zuverlässig dosieren und gibt sein kräftiges, würziges Aroma nach und nach an den Balsam ab, ohne die feine Fruchtnote der Erdbeeren zu überdecken.

Hinweis: Qualität und Verträglichkeit der Zutaten beeinflussen das Ergebnis – wähle sie bewusst entsprechend Deiner persönlichen Verträglichkeit aus. Verwende ausschließlich saubere und sterilisierte Flaschen. Den fertigen Erdbeer-Rosmarin-Balsam nach dem Abkühlen im Kühlschrank aufbewahren und zeitnah verbrauchen. Bei Veränderungen von Geruch, Aussehen oder Konsistenz nicht mehr verwenden. Personen mit Unverträglichkeiten gegenüber Erdbeeren, Honig oder Essig sollten die Zutaten entsprechend anpassen.

Wie Kräuter wirken

Steckt der Geschmack von Rosmarin nur in seinem ätherischen Öl?
Wenn wir von Rosmarin-Geschmack sprechen, meinen wir meist alles, was wir beim Essen gleichzeitig wahrnehmen. Doch das charakteristische Aroma des Rosmarins und das, was unsere Zunge tatsächlich schmeckt, sind nicht dasselbe. Gerade im Erdbeer-Rosmarin-Balsam lässt sich dieser Unterschied gut beobachten: Süße, Säure, Frucht und Rosmarin treffen gleichzeitig aufeinander – aber nicht alles davon nehmen wir auf dieselbe Weise wahr.
Was die Zunge tatsächlich schmeckt:  Unsere Geschmacksknospen unterscheiden einige grundlegende Geschmacksrichtungen, darunter süß, sauer, salzig, bitter und umami. Im Erdbeer-Rosmarin-Balsam nehmen sie vor allem die Süße von Erdbeeren, Zucker und Honig sowie die Säure des Balsamicos wahr. Auch der Rosmarin selbst trägt zu diesem Geschmack bei. Denn neben seinem ätherischen Öl enthält er nichtflüchtige Pflanzenstoffe, die den Geschmackseindruck beeinflussen können.
Rosmarin besitzt auch nichtflüchtige Geschmacksstoffe:  Zu diesen Pflanzenstoffen gehören verschiedene phenolische Verbindungen, darunter Rosmarin-Säure, Carnosol und Carnosol-Säure. Anders als die flüchtigen Bestandteile des ätherischen Öls verdampfen sie nicht und erreichen deshalb nicht auf dieselbe Weise unsere Nase. Einige können dagegen zu bitteren, herben oder zusammenziehenden Wahrnehmungen im Mund beitragen. Ein Teil dessen, was wir beim Essen von Rosmarin wahrnehmen, stammt also aus Inhaltsstoffen des Blattes, die mit seinem Duft zunächst wenig zu tun haben.
Und welche Aufgabe hat das ätherische Öl?  Die flüchtigen Bestandteile des ätherischen Rosmarin-Öls prägen einen wesentlichen Teil seines charakteristischen Aromas. Beim Essen können solche flüchtigen Stoffe aus dem Mund über den Rachenraum zur Nase gelangen und dort wahrgenommen werden. Das Gehirn verarbeitet diese Geruchseindrücke zusammen mit den Geschmackssignalen aus dem Mund. Deshalb sprechen wir im Alltag von „Rosmarin-Geschmack“, obwohl daran unterschiedliche Sinneswahrnehmungen beteiligt sind.
Was im Erdbeer-Rosmarin-Balsam zusammenkommt:  Damit lässt sich auch erklären, warum wir in diesem Rezept so unterschiedliche Eindrücke gleichzeitig wahrnehmen. Die Geschmacksknospen reagieren unter anderem auf die Süße von Erdbeeren, Zucker und Honig, auf die Säure des Balsamicos und auf bittere beziehungsweise herbe Bestandteile des Rosmarins. Gleichzeitig nehmen wir flüchtige Aromastoffe von Erdbeere und Rosmarin über den Geruchssinn wahr. Diese Signale werden im Gehirn gemeinsam verarbeitet und ergeben den Geschmackseindruck, den wir beim Probieren als Ganzes erleben.
Der Geschmack des Rosmarins steckt also nicht nur in seinem ätherischen Öl. Seine Blätter enthalten auch nichtflüchtige Pflanzenstoffe, die wir im Mund wahrnehmen können. Erst beim Essen werden diese Geschmacksreize mit den flüchtigen Aromastoffen und den Geschmacksreizen der übrigen Zutaten gemeinsam verarbeitet.

Du möchtest mehr über Rosmarin erfahren?  ~  Gerne kannst Du mich anschreiben, dann kann ich Dir sagen, wo und wann ich wieder einen Workshop gebe.

Dazu eine Essig-Empfehlung von:
Kontor-der-Lydia  ~  www.kontor-der-lydia.de
Der Riesling-Weinessig aus Rheinhessen

Mich erinnert der Riesling-Weinessig mit seinem frischen, spritzigen Geschmack und dem Duft von Weinbergpfirsichen an die Zeit der Abenteuer, des Stürmens und Drängens – eben an die Jugend. Deshalb heißt er bei mir nur der „Junge Essig“.

Mein „junger“ Riesling-Weinessig stammt von einem kleinen familiengeführten Essig- und Weingut in Rheinhessen, das bereits in dritter Generation biologisch wirtschaftet. In der von Wein- und Obstanbau geprägten Region entstehen auch die Trauben, aus denen die Essige des Gutes hergestellt werden. 1988 wurde dort der erste Essig im traditionellen Orléansverfahren angesetzt, seit 1992 reift auch Balsamico im Holzfass. Heute führt Jan, der jüngste Spross der Familie, diese Arbeit fort. Für die Qualität seiner Erzeugnisse wurde das Essig- und Weingut auch vom Gault&Millau ausgezeichnet.

Denke daran: Ich erstelle und teste meine Rezepte mit viel Liebe und Sorgfalt, damit Du sie nachkochen kannst. Aber ich kann keine Garantie dafür übernehmen, dass sie Dir genauso gelingen. Jede Küche ist anders, deshalb sind alle Angaben nur Richtwerte und Du kochst auf eigene Verantwortung. Bitte achte selbst auf Allergien und Unverträglichkeiten sowie auf einen hygienischen Umgang mit Lebensmitteln – vor allem bei Fleisch, Fisch und Eiern. Und: Dies ist keine Ernährungs- oder Gesundheitsberatung. Weitere Informationen findest Du auf meiner Homepage bei den Rezepten im Haftungsausschluss.