Als ich nach Rezepten für Pfefferminz-Gebäck gesucht habe und dabei auf die Geschichte der Thin Mints – der „dünnen Pfefferminz-Kekse“ – gestoßen bin, war ich begeistert. Denn hinter dem unscheinbaren Schokoladen-Keks verbirgt sich eine ungewöhnliche amerikanische Geschichte, in der Pfefferminze, Pfadfinderinnen und eine gute Portion Unternehmergeist zusammenkommen.
Kulinarik
Wie aus „Cooky-Mints“ die Thin Mints wurden
Die knusprigen Schokoladenkekse mit Pfefferminz-Geschmack zählen heute zu den berühmtesten Minz-Gebäcken Nordamerikas. Bereits 1917 verkaufte eine Gruppe amerikanischer Pfadfinderinnen (heute „Girl Scouts of the USA“) selbst gebackene Kekse, um ihre Aktivitäten zu finanzieren. 1939 kam erstmals eine Keks-Variante mit Schokolade und Minze unter dem Namen „Cooky-Mints“ hinzu. In den folgenden Jahrzehnten änderten sich Namen und teilweise auch die Rezepturen mehrfach, bis sich schließlich die heute bekannte Bezeichnung „Thin Mints“ durchsetzte. Thin Mints werden in den USA offiziell nur während der sogenannten Girl Scout Cookie Season (der Keks-Saison der Pfadfinderinnen, die regional variieren kann) verkauft.
Wie Kekse den Unternehmergeist fördern können
Dabei geht es um weit mehr als um Kekse: Die Cookie-Aktion gilt als eines der weltweit größten Programme für Mädchen, in dem sie Fähigkeiten wie Zielsetzung, Entscheidungsfindung, Geldmanagement, soziale Kompetenz und Geschäftsethik trainieren. Die Aufgaben werden dem Alter angepasst. Schon die Jüngsten (ab etwa fünf Jahren) lernen beispielsweise, Verkaufsziele festzulegen und mit Kunden umzugehen; bei den älteren Mädchen (bis etwa 18 Jahre) kommen zunehmend Themen wie Marketing, Finanzplanung und unternehmerisches Denken hinzu. Eine amerikanische Pfadfinder-Tradition, die Unternehmergeist mit einem Pfefferminz-Keks verbindet – einfach, effektiv und nachahmenswert!
Mein eigenes Gebäck-Rezept mit Pfefferminze
Das nehme ich für etwa 20 Kekse
100 g Mehl ~ 15 g Back-Kakao ~ 50 g Zucker ~ 75 g Butter ~ 1 Eigelb ~ 2 EL sehr fein gemahlene getrocknete Pfefferminze (Mentha × piperita) ~ 1 Prise fein gemahlenes Salz ~ 100 g Zartbitterschokolade ~ und ein kleines Lächeln, denn: Lächle – und die Welt lächelt zurück!
So entsteht mein Gebäck
[1] Mehl, Kakao, Zucker, Pfefferminze und Salz gründlich miteinander vermischen. Die Pfefferminze sollte möglichst fein gemahlen sein, damit sie sich gleichmäßig im Teig verteilt und später keine größeren Blattstückchen im Gebäck zurückbleiben. [2] Das Eigelb und die kalte Butter in kleinen Stücken zugeben und alles rasch zu einem glatten Teig verkneten. Dabei nur so lange kneten, bis sich die Zutaten verbunden haben. Hier entsteht der Charakter meines Gebäcks: Die fein gemahlene Pfefferminze trifft auf den kräftigen Kakao und bildet die für Thin Mints typische Verbindung von Schokolade und Minze. Die Butter nimmt einen Teil der fettlöslichen Aromastoffe der Pfefferminze auf und verteilt sie beim Verkneten im Teig. [3] Den Teig etwa 30 Minuten kühl stellen. Dadurch wird die Butter wieder fest und der Teig lässt sich anschließend leichter dünn ausrollen. [4] Den Teig dünn ausrollen und kleine runde Kekse ausstechen. Je dünner die Kekse werden, desto knuspriger werden sie nach dem Auskühlen. [5] Die Kekse bei 170 °C Ober-/Unterhitze etwa 8-10 Minuten backen. Anschließend vollständig auskühlen lassen, denn erst beim Abkühlen werden sie fest und knusprig. [6] Die Zartbitterschokolade vorsichtig schmelzen. Dabei nicht zu stark erhitzen, damit sie gleichmäßig flüssig wird. [7] Die vollständig ausgekühlten Kekse auf der Oberseite mit der Schokolade überziehen, mit einem Teelöffel Rillen in die Schokolade ziehen und auf Backpapier legen. Die Schokolade fest werden lassen und… Guten Appetit!
Pfefferminze für dieses Rezept
Für das Gebäck eignet sich besonders gut eine schonend getrocknete Pfefferminze. Sie sorgt das ganze Jahr über für ein ausgewogenes Aroma und lässt sich zuverlässig dosieren.
Hinweis: Qualität und Verträglichkeit der Zutaten beeinflussen das Ergebnis – wähle sie bewusst entsprechend Deiner persönlichen Verträglichkeit aus.
Was passiert mit dem Pfefferminz-Aroma beim Backen?
In der Backkunst wird Pfefferminze deutlich seltener verwendet als in Getränken oder Süßwaren. Dennoch gibt es einige klassische Gebäcke und Backwaren, die über Jahrzehnte bekannt geworden sind – wie die Thin Mints!
Wo das Aroma der Pfefferminze steckt: Die Blätter der Pfefferminze sind mit zahlreichen Drüsenhaaren besetzt, in denen die Pflanze Bestandteile ihr ätherisches Öl bildet und speichert. Zu seinen wichtigsten Bestandteilen gehören Menthol und Menthon, daneben enthält es zahlreiche weitere Aromastoffe. Für mein Gebäck werden die getrockneten Pfefferminz-Blätter sehr fein gemahlen. Dabei werden Pflanzenstrukturen aufgebrochen und die Oberfläche der Blätter stark vergrößert. Die darin enthaltenen Duft- und Aromastoffe können dadurch leichter freigesetzt und im Teig verteilt werden.
Welche Rolle die Butter spielt: Die ätherischen Öle der Pfefferminze bestehen überwiegend aus lipophilen, also fettlöslichen Bestandteilen. Beim Verkneten können sich deshalb aromatische Bestandteile in der Butter verteilen. Das Fett dient im Teig als Aromaträger und hilft dabei, Pfefferminz-Aromen gleichmäßig im Gebäck zu verteilen. Es verhindert jedoch nicht, dass leicht flüchtige Bestandteile durch die Backhitze teilweise verloren gehen.
Was die Backhitze mit dem Aroma macht: Sobald die Kekse in den heißen Backofen kommen, erwärmt sich der Teig nach und nach. Mit steigender Temperatur werden flüchtige Bestandteile des ätherischen Öls zunehmend freigesetzt und gelangen aus dem Teig auch in die Luft. Genau deshalb kann man die Pfefferminze bereits während des Backens riechen. Dieser Duft verrät allerdings noch etwas anderes: Was ich in der Küche rieche, befindet sich nicht mehr vollständig im Keks. Ein Teil der flüchtigen Aromastoffe verlässt den Teig während des Backens. Da die einzelnen Bestandteile des ätherischen Öls unterschiedlich flüchtig und hitzeempfindlich sind, verändert sich dabei auch das Verhältnis der Aromastoffe zueinander. Das Pfefferminz-Aroma des fertigen Gebäcks kann deshalb anders wirken als der Duft der getrockneten Blätter vor dem Backen.
Wenn Pfefferminze auf Schokolade trifft: Bei meinen Pfefferminz-Keksen durchläuft das Aroma damit mehrere Veränderungen: Die getrockneten Blätter werden fein gemahlen, ihre Aromastoffe verteilen sich im butterhaltigen Teig und ein Teil davon verflüchtigt sich während des Backens. Nach dem Auskühlen kommt schließlich die Zartbitter-Schokolade hinzu. Ihr kräftiges Kakao-Aroma verbindet sich mit dem verbliebenen Pfefferminz-Aroma und prägt den typischen Schokoladen-Minz-Charakter des Gebäcks.
Du möchtest mehr über Pfefferminze erfahren? - Gerne kannst Du mich anschreiben, dann kann ich Dir sagen, wo und wann ich wieder einen Workshop gebe.
Dazu eine Getränke-Empfehlung von:
Kontor-der-Lydia

Trinkschokolade am Stiel
Dafür 160 g Zartbitter-Schokolade fein hacken. Etwa 110 g vorsichtig auf etwa 45–50 °C in einem Wasserbad schmelzen. Dabei darf kein Wasser in die Schokolade gelangen. Schüssel vom Wasserbad nehmen. Nach und nach die restlichen 50 g gehackte Schokolade einrühren. Dadurch sinkt die Temperatur und gleichzeitig werden stabile Kakaobutter-Kristalle eingebracht. Rühren, bis die Schokolade etwa 27–28 °C erreicht hat. Die Schokolade anschließend ganz kurz wieder über das warme Wasserbad stellen und unter Rühren auf 31–32 °C erwärmen. Nicht darüber hinaus erhitzen, sonst geht die gewünschte Kristallstruktur wieder verloren. Jetzt sofort in die Silikonförmchen füllen. Sobald die Schokolade etwas fester wird, die Holzstiele hineinstecken und bei kühler Raumtemperatur vollständig fest werden lassen.
Schokolade war in Europa lange vor allem ein Getränk. Erst als man im 19. Jahrhundert lernte, Kakao-Butter und Schokoladenmasse technisch immer besser zu beherrschen, entwickelte sich jene feste, glänzende Schokolade, die wir heute kennen. Beim Temperieren steckt ein Stück dieser Entwicklung noch immer in unserer Küche: Wärme und Abkühlung entscheiden darüber, welche Kristallstruktur die Kakao-Butter beim Erstarren bildet. Und genau davon hängt ab, ob die fertige Schokolade schön glänzt, fest wird und beim Brechen sauber knackt – ein wenig Küchenchemie, die man später sehen, fühlen und sogar hören kann.
Denke daran: Ich erstelle und teste meine Rezepte mit viel Liebe und Sorgfalt, damit Du sie nachkochen kannst. Aber ich kann keine Garantie dafür übernehmen, dass sie Dir genauso gelingen. Jede Küche ist anders, deshalb sind alle Angaben nur Richtwerte und Du kochst auf eigene Verantwortung. Bitte achte selbst auf Allergien und Unverträglichkeiten sowie auf einen hygienischen Umgang mit Lebensmitteln – vor allem bei Fleisch, Fisch und Eiern. Und: Dies ist keine Ernährungs- oder Gesundheitsberatung. Weitere Informationen findest Du auf meiner Homepage bei den Rezepten im Haftungsausschluss.