Die Legende erzählt von einem geheimnisvollen Rosmarin-Wasser, das einer alternden Königin ihre Gesundheit und sogar ihre jugendliche Schönheit zurückgegeben haben soll. Doch was verbirgt sich hinter dem berühmten Aqua Reginae Hungariae, dem über Jahrhunderte erstaunliche Wirkungen gegen Gicht, Rheuma und Falten zugeschrieben wurden?
Wissenswertes
Elisabeth von Polen – Die Königin hinter dem Ungarischen Königinnen-Wasser
Das Leben der 1305 geborenen Elisabeth von Polen, der späteren Königin von Ungarn, war weitaus bewegter, als die meisten wissen. Im April 1330 ereignete sich am ungarischen Königshof ein blutiges Drama. Elisabeths Bruder Kasimir, der spätere König von Polen, entehrte ihre Hofdame Clara Zách. Als Claras Vater, der Magnat Felicián Zách, davon erfuhr, verdächtigte er Elisabeth, ihrem Bruder dabei geholfen zu haben. Aus Rache stürmte er mit gezogenem Säbel in den Raum, in dem die königliche Familie gerade bei Tisch saß, und griff die Königin an. Elisabeth versuchte, den Hieb mit der rechten Hand abzuwehren – und verlor dabei vier Finger. Vater und Tochter wurden grausam bestraft. 1342 starb Elisabeths Ehemann, König Karl I. Robert von Ungarn, als sie 37 Jahre alt war. Ihr Sohn Ludwig I. bestieg den ungarischen Thron, doch Elisabeth zog sich keineswegs aus der Politik zurück. Als Königinmutter blieb sie über Jahrzehnte einflussreich, wenn auch nicht immer beliebt. Nachdem ihr Bruder Kasimir III. 1370 gestorben war und Ludwig auch die polnische Krone übernommen hatte, führte sie zeitweise die Regentschaft in Polen. Mit 75 Jahren starb Elisabeth im Dezember 1380.
Johannes Praevotius und das Geheimnis vom Ungarischen Wasser
Bis heute ist ihr Name mit einer Legende verbunden, die von einem geheimnisvollen Ungarischen Wasser erzählt, das einer alternden Königin ihre Kräfte und ihre Schönheit zurückgegeben haben soll. Auch der italienische Arzt Johannes Praevotius, bekannt als Jean Prévost (1585–1631), der als Professor der Medizin in Padua wirkte, kannte das Ungarische Wasser. In seinen 1666 in Hannover erschienenen Opera Medica Posthuma berichtete er, dass ihm die Wirkung des Mittels aus zahlreichen Fällen bekannt sei. Deshalb wolle er berichten, unter welchen Umständen er das Rezept gefunden habe: Im Jahr 1606 habe er unter den Büchern des Francesco Podacatharo, eines Angehörigen einer vornehmen zyprischen Familie, ein altes Gebetbuch entdeckt. Podacatharo habe dieses Buch hoch verehrt, denn angeblich sei es seinen Vorfahren einst von der heiligen Elisabeth, Königin von Ungarn, als Zeichen gegenseitiger Freundschaft übergeben worden. Auf der ersten Seite des Gebetbuchs habe Prévost ein Rezept gegen Gicht gefunden, das die Königin eigenhändig niedergeschrieben haben soll. Er fertigte eine Abschrift an und überlieferte damit auch die bemerkenswerte Geschichte, die Elisabeth ihrem Rezept vorangestellt haben soll: „Ich, Elisabeth, Königin von Ungarn, im 72. Lebensjahr. Ich war sehr schwach und litt an Gicht. Ein Jahr lang gebrauchte ich dieses Rezept, das mir ein Einsiedler gegeben hatte, den ich weder zuvor noch danach jemals gesehen habe. Bald wurde ich geheilt und gewann meine Kräfte zurück. Allen erschien ich über die Maßen schön, sodass der König von Polen um meine Hand anhielt, da wir beide verwitwet waren. Ich lehnte dies jedoch aus Liebe zu meinem Herrn Jesus Christus ab. Ich glaube, dass ich dieses Heilmittel durch seinen Engel erhalten habe.“ Ich muss zum Glück nicht erst 72 Jahre alt werden wie Elisabeth, bevor ich dieses Rezept einfach mal ausprobieren kann!
Mein eigenes Duftwasser-Rezept mit Rosmarin
Das nehme ich für 1 Anwendung
2,5 g getrockneter Rosmarin (Salvia rosmarinus) ~ 50 ml Wodka ~ 1 sauberes, verschließbares Glas ~ und ein kleines Lächeln, denn: Lächle – und die Welt lächelt zurück!
So entsteht meine Anwendung
[1] Die getrockneten Rosmarin-Blätter leicht zwischen den Fingern zerreiben und in das Glas geben. [2] Mit Wodka übergießen, sodass alle Blätter bedeckt sind. [3] Das Glas verschließen und zwei bis drei Wochen dunkel bei Zimmertemperatur stehen lassen. Gelegentlich vorsichtig schwenken. Hier entsteht ein duftender Rosmarin-Auszug, der die würzigen Aromen der Pflanze im Alkohol einfängt und als wunderbare Grundlage für Dein eigenes Duftwasser dient. [4] Den Auszug durch ein feines, sauberes Tuch in eine saubere Glasflasche abseihen. Die Rosmarin-Blätter dabei vorsichtig ausdrücken, um möglichst viel von der Flüssigkeit zurückzugewinnen. Probiere einmal eine der Anwendungen aus und … genieße den Moment!
So kannst Du meine Anwendung abwandeln
Das Rosmarin-Duftwasser eignet sich wunderbar für kleine Duftideen im ganzen Haus. Gib einfach einige Tropfen davon auf einen geeigneten Duftstein oder ein Duftkissen. Im Kleiderschrank einen Anhänger so aufhängen, dass er die Kleidung nicht direkt berührt. Auch Duftpapier lässt sich auf diese Weise ganz einfach herstellen: Besprühe dazu einen Aroma-Träger und lege ihn gemeinsam mit dem Papier in eine geschlossene Schachtel (aber nicht direkt auf das Papier, damit es keine Flecken gibt). So nimmt das Papier den Duft wunderbar auf, ohne dass unschöne Flecken entstehen. Für noch mehr Frische im Alltag kannst Du das Duftwasser vielseitig einsetzen, indem Du beispielsweise einen Filz- oder Holzanhänger im Auto für eine natürliche, krautige Note besprühst. Um unangenehme Gerüche in getragenen Schuhen einen Rosmarin-Duft zu verleihen, legst Du am besten ein beträufeltes Tuch oder einen kleinen Aroma-Träger über Nacht hinein.
Mein Tipp
In vielen Rezepten findest Du den Hinweis, den Rosmarin-Auszug durch einen Kaffeefilter abzuseihen. Ich verwende lieber ein feines Tuch, denn das kann man vorsichtig ausdrücken und so mehr von der kostbaren Duftflüssigkeit zurückgewinnen. Ein Kaffeefilter hält zwar feinere Schwebstoffe zurück, saugt aber selbst einen Teil der Flüssigkeit auf.
Rosmarin für dieses Rezept
Für dieses Rezept eignen sich besonders schonend getrocknete Rosmarin-Blätter. Sie sorgen das ganze Jahr über für ein ausgewogenes Aroma und lassen sich zuverlässig dosieren.
Hinweis: Qualität und Verträglichkeit der Zutaten beeinflussen das Ergebnis – wähle sie bewusst entsprechend Deiner persönlichen Verträglichkeit aus. Der Rosmarin-Auszug kann Farbstoffe enthalten und Flecken hinterlassen. Verwende deshalb bei Schränken, Schuhen und empfindlichen Textilien zunächst separate Duftträger. Alkoholhaltige Duftmischungen nicht in der Nähe von offenen Flammen oder heißen Geräten versprühen. Achte generell darauf, dass die Duftträger auf unempfindlichen Unterlagen platziert werden und stets außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren bleiben. Wie lange das Duftwasser haltbar bleibt, hängt von seiner Zusammensetzung und der hygienischen Herstellung ab.
Wie Kräuter wirken
Warum riecht Rosmarin in Mazerat und Destillat so unterschiedlich?
Rosmarin, Wodka und ein sauberes Glas: Das ist alles, was man für ein historisch inspiriertes Duftwasser brauchst. Kaum sind die Zutaten vereint, passiert im Verborgenen auch schon etwas Faszinierendes: Die Duftstoffe lösen sich langsam aus den getrockneten Blättern und wandern in die Flüssigkeit. Das Spannende dabei ist, je nachdem wie wir diese Düfte einfangen, verändert sich der spätere Charakter grundlegend.
Mazeration – der Alkohol als Lösungsmittel: Bei einem Duftwasser übernimmt der Wodka die Arbeit. Während der sogenannten Mazeration, einem Kaltauszug ohne Erhitzen, dringt das Alkohol-Wasser-Gemisch in die getrockneten Rosmarin-Blätter ein und löst verschiedene Pflanzenstoffe heraus. Alkohol ist ein sehr starkes Lösungsmittel: Er zieht nicht nur die flüchtigen Duftstoffe wie 1,8-Cineol, α-Pinen und Campher heraus, sondern löst auch schwerere Pflanzenstoffe wie Harze, Gerbstoffe und Chlorophyll (Blattgrün). Nach dem Filtern bleiben die Blätter zurück, während ein Teil ihrer gelösten Inhaltsstoffe im Duftwasser enthalten ist.
Destillation – der Rosmarin-Duft reist mit dem Dampf: Beim historischen Ungarischen Wasser kam ein weiterer Arbeitsschritt hinzu: die Destillation. Der alkoholische Rosmarin-Ansatz wurde erhitzt, die aufsteigenden Dämpfe aufgefangen und anschließend wieder abgekühlt. Flüchtige Rosmarin-Inhaltsstoffe konnten dabei mit dem Dampf übergehen und gelangten so in das Destillat. Auch heute wird Rosmarin mithilfe von Wasserdampf destilliert. Dabei können sich nach dem Abkühlen zwei Phasen bilden: das wässrige Rosmarin-Hydrolat und das ätherische Rosmarin-Öl. In diesem Öl sind die flüchtigen Duftstoffe wesentlich stärker konzentriert als im ursprünglichen Pflanzenmaterial. Da die schweren Harze und Bitterstoffe bei der Destillation im Topf zurückbleiben, duften ätherisches Öl und das Hydrolat unterschiedlich. So entstehen aus derselben Pflanze zwei völlig unterschiedliche Duftwelten.
Wenn Du Deinen Wodka-Auszug später mit ein paar Tropfen ätherischem Öl verfeinerst, treffen in Deinem Fläschchen diese zwei unterschiedlichen Wege der Duftgewinnung aufeinander und Du kreierst Deinen ganz persönlichen Rosmarin-Duft.
Du möchtest mehr über Rosmarin erfahren? ~ Gerne kannst Du mich anschreiben, dann kann ich Dir sagen, wo und wann ich wieder einen Workshop gebe.
Denke daran: Ich entwickle und erprobe meine Anwendungen mit viel Liebe und Sorgfalt, damit Du sie selbst ausprobieren kannst. Trotzdem kann ich keine Garantie dafür übernehmen, dass sie bei Dir zum gleichen Ergebnis führen. Bitte gehe achtsam mit Dir selbst und den verwendeten Materialien um. Verwende außerdem nur Pflanzen und Materialien, die Du sicher bestimmen und einschätzen kannst. Probiere Neues zunächst vorsichtig aus, denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf natürliche Inhaltsstoffe. Die Inhalte dienen der Inspiration und ersetzen keine fachliche Beratung. Die Anwendung erfolgt auf eigene Verantwortung. Weitere Informationen findest Du auf meiner Homepage bei den Rezepten im Haftungsausschluss.